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John Holloway und Johannes Agnoli

by source: Sommerakademie Dresden - 30.07.2004 16:40

"Rebellion ist wie dieser Schmetterling, der auf das Meer ohne Insel oder Felsen zuhält. Er weiß, dass er keinen Platz zum landen hat. Doch zögert er nicht zu fliegen. Und nein, weder der Schmetterling noch die Rebellion sind dumm oder selbstmörderisch. Es ist nur so, dass sie wissen, dass sie doch etwas haben werden, wo sie landen können, weil es in dieser Richtung eine kleine Insel gibt, die noch kein Satellit entdeckt hat."
- Subcomandante Marcos im Dezember 2002
 

"DIE WELT VERÄNDERN, OHNE DIE MACHT ZU ÜBERNEHMEN"
Eine Auseinandersetzung mit John Holloway


"DAS NEGATIVE POTENTIAL"
Film: Interview mit Johannes Agnoli (Referentin: Dorothea Härlin, attacberlin)

Wer nicht in den Genuss kam, Johannes Agnoli (22.2.1925 - 4.5.2003) während seiner fast 30jährigen Professur am Otto-Suhr-Institut in Berlin kennenzulernen, kann dies hier nachholen. Das Gespräch mit diesem sich durch Witz und Ironie auszeichnenden "Staatsfeind auf einem Lehrstuhl" regt zur Fortsetzung seiner Maulswurfsarbeit gegen die Inhumanität der Weltgesellschaft an. Es ist zugleich eine sehr gute Einstimmung auf die Gedanken von John Holloway: "Seitdem ich Agnoli in den 1970ern zum ersten Mal gelesen habe, stellt sein Werk einen ständigen Bezugspunkt für mich dar. Vielleicht weil ich ihn nie kennengelernt habe, ist das Interview wie eine Offenbarung, eine Freude, ein großartiger Hör- und Sehgenuss. (...)"


"DIE WELT VERÄNDERN, OHNE DIE MACHT ZU ÜBERNEHMEN"
Erarbeitung der Kernthesen des Buches von John Holloway
(Referent: Dirk Hauer, AK-Redaktion und Mitglied der Hamburger Gruppe "Blauer Montag")

Was verbirgt sich hinter zentralen Konzepten des Buches?
- Das Nein und der Schrei
- Die Funktion des kapitalistischen Staates
- Instrumentelle kontra kreative Macht
- Der Bruch zwischen dem Tun und dem Getanen


"MONARCHIE UND ALLTAG" ODER: WARUM REVOLUTIONEN SCHEITERN
(Referent: Thomas Fritz, BLUE 21 / Attac AG Welthandel und WTO)

Holloway verblüfft mit der These, traditionelle Revolutionskonzepte seien nicht wegen zu hoher, sondern zu niedriger Ziele gescheitert. Sie erstrebten lediglich Machtpositionen anstatt die Macht durch Revolutionierung alltäglicher Lebens- und Arbeitsverhältnisse im Hier und Jetzt aufzulösen. Allerdings erntete Holloway vor allem von lateinamerikanischen Linken Kritik. Trotz des Scheiterns beispielsweise der sandinistischen Revolution in Nicaragua, beharren sie auf der Notwendigkeit der Eroberung politischer Macht, da sie wertvolle soziale Fortschritte ermögliche. Das Spannungsverhältnis zwischen Revolutionierung des Alltags und Eroberung der Macht wollen wir am Beispiel linker Regierungen und Parteien vertiefend diskutieren.


Zu John Holloway
(Dorothea Härlin)

John Holloway hat mit seinem Buch eine Lücke im linken Diskurs gefüllt, auch wenn seine Thesen nur weitere Schritte auf der Suche nach einer emanzipativen Bewegung sein können. Unter dem von den ZapatistInnen entlehnten Motto "Eine andere Welt ist möglich" wollen wir mit ihm politische Alternativen hörbar machen. Wir wollen an eine politische Bewegung anknüpfen, die um ein Leben in Würde kämpft, um Emanzipation und Befreiung, ohne jemals die Übernahme staatlicher Macht ins Visier genommen zu haben. Wie konnte diese kleine indigene Gruppe in Chiapas den mexikanischen Staat bei seinem Eintritt in NAFTA 1994 so sehr erschüttern? Wie konnte diese kleine Bewegung eine Diskussion entfachen, die weltweit neue Hoffnungen und Perspektiven eröffnete?

John Holloway, Politologe an der Universität von Puebla, gehört zu dem Kreis von Intellektuellen, die diesen Funken aufgegriffen haben. Er gehört zu den VordenkerInnen einer neuen emanzipatorischen Bewegung, deren Motto lauten könnte: "Ein anderes Denken ist möglich!". KritikerInnen werfen Holloway einen zu hohen Abstraktionsgrad vor. Er gebe zu wenige konkrete Antworten auf aktuelle politische Ereignisse, vor allem in Lateinamerika. Zweifellos, er hat keine Antworten parat, die in direkte politische Alternativen umzusetzen wären. Doch dieses Politikverständnis lehnt er gerade ab. Es geht ihm vielmehr um das Infragestellen neoliberaler "Wahrheiten", die sich tief im Alltagsverstand verankert haben und derart hegemonial wurden. Er stellt aber auch Lösungsansätze traditioneller linker Avantgardorganisationen in Frage. Holloway konstatiert das Scheitern all der auf den direkten Sturz des Kapitalismus ausgerichteten Ansätze des 20. Jahrhunderts, sie mobilisierten lediglich "Gegenmacht". Stattdessen öffnet er den Blick für ein anderes, emanzipatives Politikverständnis, begriffen als "Anti-Macht".

Wenn wir bedenken, dass wir trotz der bahnbrechenden Kapitalismuskritik von Marx bis heute nicht mit diesem mörderischen System fertig geworden sind, dürfte eine intensivere
Auseinandersetzung mit Holloway allemal gerechtfertigt zu sein. Dabei suchen wir keinen neuen Propheten, sondern lassen uns anregen durch sein Andersdenken, sein Andersfühlen und sein Anderskämpfen. Am Ende dieses Seminars werden wir voraussichtlich mehr Fragen haben als jetzt. Das ist auch eines unserer erklärten Ziele, angelehnt an das aus dem lakandonischen Urwald kommende Motto: "Caminamos preguntando" - fragend schreiten wir voran. (...)

READER zu John Holloway und Johannes Agnoli

Der Reader kann hier heruntergeladen werden (pdf, 118 KB):
 http://www.attac.de/cancun/Reader-Holloway.pdf

INHALT:

Programm

Dorothea Härlin
Warum dieses Seminar?

Dorothea Härlin
Kleiner Agnoli-Reader

John Holloway
Kommentar zum Interview mit Johannes Agnoli

Dirk Hauer
Denkt negativ!

John Holloway
Zwölf Thesen über Anti-Macht

John Holloway
Kehrt dem Staat den Rücken!

John Holloway
Caracoles - Magischer Realismus und Ozonlöcher

Atilio A. Boron
Urwald und Polis

Thomas Fritz
"Der Kaiser ist nackt!"


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