Paul Lafargue: Das Recht auf Faulheitby - 30.04.2005 00:11
anderer Text: Die Arbeit abschaffen! http://www.umwaelzung.de/workno.html
Um mögliche, aber unnötige Mißverständnisse zu vermeiden, will ich mit meiner Definition von "Arbeit" anfangen: Arbeit ist menschliche Tätigkeit, aber nicht jede menschliche Tätigkeit ist Arbeit. Arbeit ist die Tätigkeit, die ich unter gegebenen Umständen verrichten muß, um mir die Mittel zum Leben zu verschaffen. Heutzutags muß man die Mittel zum Leben kaufen, deshalb kann die Definition für heute auch lauten: Arbeit ist die Tätigkeit, mit der ich Geld verdienen oder Geld ausgeben vermeiden kann. Daß Arbeit notwendige Tätigkeit ist, bedeutet auch, daß Arbeit immer Zwang ist. Was notwendig ist, hat immer die jeweilige Gesellschaftsordnung bestimmt (Ist eine Pyramide notwendig? Ein Schwarzwälder Schinken? Ein Laptop?). Und Gesellschaft bedeutete in den letzten paarTausend Jahren Klassengesellschaft. An der Frage, wer arbeitet und wer nicht, hat sich jedes Klassenverhältnis entschieden. Arbeit ist also eine historische Kategorie, keine anthropologische. Menschen gibt es seit mindestens zwei Millionen Jahren. Bauern seit 10 000 Jahren, Maschinenarbeiter seit 200 Jahren, Programmierer seit 40 Jahren. Und bis in die Neuzeit hinein waren sich die Menschen durchaus bewußt, daß Arbeit keine Naturnotwendigkeit ist. Die Sehnsucht nach dem Paradies, dem goldenen Zeitalter, der Utopia des Thomas Morus drückt dieses Bewußtsein aus. Und die Hoffnung, daß mit der Überwindung der Klassengesellschaft auch der Arbeitszwang abgeschafft wird. Alle Worte für "Arbeit" in den europäischen Sprachen - lateinisch und englisch labor, griechisch ponos, französisch travail, deutsch Arbeit - bedeuten ursprünglich Mühsal im Sinne von Unlust und schmerzverursachenden Anstrengungen (z.B. Geburtswehen). (...) Ich ende mit einem Zitat aus Lafargues Recht auf Faulheit ( http://www.wildcat-www.de/material/m003lafa.htm), worin schon vor über hundert Jahren die Notwendigkeit, die Möglichkeit und die Schwierigkeit der Abschaffung der Arbeit formuliert wird:
"Wenn die Arbeiterklasse sich das Laster, welches sie beherrscht und ihre Natur herabwürdigt, gründlich aus dem Kopf schlagen und sich in ihrer furchtbaren Kraft erheben wird, nicht um die famosen Menschenrechte zu verlangen, die nur die Rechte der kapitalistischen Ausbeutung sind, nicht um das Recht auf Arbeit zu fordern, das nur das Recht auf Elend ist, sondern um ein ehernes Gesetz zu schmieden, das jederman verbietet, mehr als drei Stunden pro Tag zu arbeiten, so wird die alte Erde, zitternd vor Wonne, in ihrem Inneren eine neue Welt sich regen fühlen... aber wie soll man von einem durch die kapitalistische Moral korrumpierten Proletariat einen männlichen Entschluß verlangen!" (Referat, 1998) mehr: http://www.umwaelzung.de/workno.html
Der Kampf gegen die Arbeit http://www.umwaelzung.de
http://www.wildcat-www.de
siehe auch: http://members.aon.at/ro.neunteufel/arbeit.htm
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