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Nach dem Streik ist vor dem Streik!

by Quelle: CBG - 09.04.2006 18:01


Streik bei GATE GOURMET in Düsseldorf nach sechs Monaten am 7. April beendet

Wir grüßen die Streikenden an allen Standorten in Deutschland, an denen zur Zeit in Deutschland gestreikt wird.

 



Exakt nach sechs Monaten Streik wurde der Kampf bei GATE GOURMET in Düsseldorf mit einem Urabstimmungsergebnis von 64 Prozent beendet. Hier ein erster Diskussionsbeitrag zu einer Bewertung. Es mag durchaus sein, dass dieser Text Aspekte außer Acht lässt, die im Hintergrund liefen, übersehen oder nicht bekannt wurden. Insofern mag diese Übersicht mangel- bzw. fehlerhaft sein. Aber sie ist getragen von dem Willen, solidarisch und vor allem für zukünftige Kämpfe wirksam auszuwerten. Die weitere Diskussion dieses Streiks wird mit Sicherheit noch viele Erkenntnisse und Schlussfolgerungen zeitigen. Künftige Kämpfe werden aus diesem Streik lernen. Zumal die für den Düsseldorfer GATE-GOURMET-Streik zuständige Gewerkschaft NGG bereits in einem neuen Arbeitskampf bei COCA COLA steht.

Großartiger Erfolg

Der Erfolg in Düsseldorf ruht auf drei Säulen: Die kleine Düsseldorfer Belegschaft (120 Beschäftigte, 80 im Streik) zeigte in diesem Kampf eine großartige Geschlossenheit und einen bewundernswerten Kampfeswillen. Auch die KollegInnen der NGG, die diesen Streik gewerkschaftlich anleiteten und unterstützten, leisteten Großartiges. Und schließlich wuchs ein ehrenamtlicher und politisch und gewerkschaftlich breit gefächerter UnterstützerInnenkreis über sich hinaus. So wurden in einem harten Kampf beachtliche Erfolge möglich:

# Die Belegschaft trat für eine Forderung von 4,5 Prozent Lohnerhöhung in den Streik, es zeigte sich unmittelbar, dass Kapital und Konzern die Belegschaft auf brutalstmögliche Art in die Knie zwingen wollen. Für dieses Ziel wurden keine Kosten und Mühen gescheut: Doch es gelang nicht, die Streikenden widerstanden erfolgreich. Die Streikfront konnte nicht gebrochen werden und blieb bis zur letzten Minute geschlossen!

# Die Streikenden stürzten sowohl den Europachef als auch den Leiter der Düsseldorfer Niederlassung.

# Die Streikenden enttarnten die Zusammenhänge zwischen Profitgier und Ausbeutung.

# Das Ansehen des GATE-GOURMET-Konzerns und der hinter dem Konzern stehenden Kapitalgruppe TEXAS PACIFIC konnte bis weit in die Kreise der Börsen und Finanzanalysten hinein beschädigt werden.

# Die Streikenden zeigten aller Welt, dass auch gegen einen übermächtigen Gegner Widerstand möglich ist.

# Mut und Tapferkeit der Düsseldorfer Belegschaft wurde rund um den Globus Beispiel und Signal für die Beschäftigten bei GATE GOURMET. Erst zukünftig wird sich die Bedeutung dieses Erfolgs deutlich werden und bewerten lassen.

# Es gelang, den Kampf über den betriebs- und gewerkschaftsbezogenen Rahmen hinaus zu entwickeln und einen starken und breit gefächerten UnterstützerInnenkreis außerhalb des betrieblichen Zusammenhangs aufzubauen, der national und international wirksam Solidarität organisierte.

# Der Kampf gegen GATE GOURMET und TEXAS PACIFIC wurde weltweit publik gemacht, es fanden in aller Welt zahlreiche Solidaritätsaktionen statt.

# Insbesondere konnten der Kampf der Londoner GATE-GOURMET-Belegschaft mit dem Düsseldorfer Streik zusammengeführt und gegen Konzern und Kapital eine gemeinsame Front errichtet werden.

# Bundesweit konnte der UnterstützerInnenkreis ansatzweise erreichen, dass auch verdi-Standorte Protest anmeldeten und ihren Tarifkampf in den Zusammenhang des Düsseldorfer Kampfes stellten.

# Die Gewerkschaften verdi und NGG zeigten zwar Schwächen, konnten sich aber nicht nur behaupten, sondern gingen durch Mitglieder und im Ansehen gestärkt aus dem Kampf hervor.

# Der Betriebsrat konnte mit fünf von acht Sitzen von den Streikenden erorbert werden - auch wenn dieses Ergebnis von GATE GOURMET gerichtlich angefochten wird; es zeigte sich, dass sogar StreikbrecherInnen für die Streikdenden stimmten.

# Der Tarifvertrag konnte gesichert, der Wechsel in den tariflosen Zustand bzw. den "Haustarif" konnte abgewehrt werden.

# Die erklärten Ziele von Kostensenkungen von 10 bis 21 Prozent konnten mit ca. minus 7 Prozent abgewehrt werden.

# Die Düsseldorfer Belegschaft verteidigte für die anderen GATE-GOURMET-Standorte und auch für alle arbeitenden Menschen insgesamt erfolgreich Menschenwürde und Gerechtigkeit.

Erheblicher Auswertungsbedarf

Doch das alles ist ein Sieg, der zum Nachdenken mehr als genügend Anlass gibt. Immerhin stellt das Ergebnis auch eine Niederlage dar: In der Summe mussten "Kosteneinsparungen" von ca. 7 Prozent hingenommen werden. Und es wurden in diesem Kampf gegen multinationale Kapitalmacht zahlreiche Schwächen und Mängel deutlich. Viele davon auch feststellbar bei den parallel laufenden Streiks von verdi, IG Chemie und IG Metall, damit also von durchaus allgemeingültigem Charakter. Es geht dabei nicht um eine "Aufrechnung", schon gar nicht um "Gewerkschaftsfeindlichkeit", sondern um Lehren für zukünftige Kämpfe. Wir brauchen starke und klassenbewußte Gewerkschaften für die kommenden Kämpfe. Davon hängt es ab, wie die Kämpfe der nächsten Jahre durchgestanden werden, wie die Ergebnisse der Kämpfe sich entwickeln werden. Die Gewerkschaften sind wir, die Summe der in den Gewerkschaften organisierten Kolleginnen und Kollegen. Also reden wir mit, diskutieren wir.

Hier unser Diskussionbeitrag:

# Ideologische Schwäche

Die Gewerkschaften sind grundlegend ideologisch geschwächt. Jahrezehntelang folgten sie sozialdemokratischen Theorien von Sozialpartnerschaft und Co-Management. Klassenkampf und Kapitalismusanalyse wurden über Bord geworfen, aus der Programmatik gestrichen und in der Praxis kaum noch berücksichtigt. In den aktuellen Kämpfen musste das zu Fehlern und Mängeln bei der Einschätzung des Gegners und bei der Entwicklung von Strategie und Taktik des Kampfes führen. Die IG Chemie beispielsweise hat in ihrer internen EDV-getützten Anleitungsorganisation den Teil "Streik" gar nicht mehr aufgenommen, was beim Arbeitskampf bei CONTINENTAL verheerende Auswirkungen zeitigte.

Bei GATE GOURMET in Düsseldorf wurde die NGG "überrascht" von der "unerbittlichen Härte" der Gegenseite, die u.a. auf eine Lohnforderung von 4,5 Prozent mit Minusforderungen in Höhe von 10 und mehr Prozent reagierte, sogar offizielle Schlichtungsverfahren missachtete und gewerkschaftliche Maßnahmen konsequent mit Polizeieinsatz und Streikbrechern konterte. Strategie und Taktik des Arbeitskampfes wiesen vor diesem HIntergrund Mängel auf, so etwa nicht zutreffende vertragliche Grundlagen, die den erfolgreichen Verlauf des Kampfes hinderten.

Doch obwohl die Gefühlsduselei des "Sozialstaates" nicht erst in diesen Arbeitskämpfen durch die brutale Realität des Kapitalismus zerstört wurde und den Gewerkschaften schon länger hätte klar werden müssen, dass das Kapital sie grundsätzlich in die Knie zwingen möchte, zeigen sie sich nicht vorbereitet und noch immer in sozialpartnerschaftlichen Strukturen verhaftet. Auch der geschlossenen Phalanx des Klassengegners von GATE GOURMET und TEXAS PACIFIC wurde keine konsequente Klassenpolitik entgegengestellt, sondern es kam zu zwiespältigen Verhalten, das einerseits die Forderungen durchaus auf prinzipielle Grundlagen stellte wie "Gegen Ausbeutung und Profitgier!" (wobei die Streikenden selbst die treibende Kraft waren und sind), andererseits jedoch Strategie und Taktik weiterhin sozialdemokratischen Illussionen von einem "zähmbaren Kapitalismus" folgen. Nur so erklären sich die Schwächen. Und auch die - letztendlich antikommunistischen - Vorbehalte gegenüber Unterstützung im Kampf durch die DKP und andere Linkskräfte im Rahmen des UnterstützerInnenkreises. Es ist nur glücklichen Zufällen zu verdanken, dass die Streikenden von GATE GOURMET nicht, wie z.B. die AEG-Beschäftigten in Nürnberg, auf Geheiß der Gewerkschaft sozialdemokratische Sozialpartnerschaftsideologen wie Müntefering und Scholz beklatschen und für diese medienwirksame Kulisse abgeben mussten. Das Kapital feixte sich in Fäustchen ob dieser Possen.

Dass im Düsseldorfer Kampf beispielsweise konsequent die Kapitalgesellschaft TEXAS PACIFIC ins Visier genommen wurde, auch mit einer Aktion vor der Europazentrale in London, war leider nicht der NGG zu verdanken, sondern ausschließlich den Bemühungen der Streikenden selbst und ihres UnterstützerInnekreises. Ebenso die politische Ausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit auf den Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit. In der Medienresonanz veränderte sich eindeutig die Berichterstattung aufgrund der umfangreichen nationalen und vor allem auch internationalen Presse- und Medienarbeit des UnterstützerInnenkreises in diesem Sinne zum Nachteil von GATE GOURMET und TEXAS PACIFIC.

Auch dass die Gewerkschaft eigenen Aktivitäten der Streikenden stets skeptisch gegenübertrat, außerhalb der gewerkschaftlich vergegebenen Aktionen die Streikenden nicht zu eigenem Handeln ermutigte und die Streikenden auch gesellschaftspolitisch nicht schulte, muss an dieser Stelle kritische Erwähnung finden, ist es doch genau der politischen Grundeinstellung sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaftstums zu verdanken, das zunehmend klassenbewußte gewerkschaftliche Bildungsarbeit vernachlässigt. Monate verbrachten die Streikenden im Streikzelt. Was hätten sie in dieser Zeit nicht alles über Hintergründe und Ursachen des Kampfes lernen können; was hätten sie nicht alles bewegen können, etwa betriebliche Flugblattverteilungen, Infostandaktionen, Go-ins etc.. Und wenn es denn doch zu eigenen Aktionen kam, wie etwa im Fall der Aktionen in London, dann wurde nicht nur in allen Fällen die finanzielle Unterstützung entzogen, sondern im Fall von London sogar offen mit Streikgeldentzug gedroht.

Ähnliches gilt für die Aktivitäten anderer UnterstützerInnen. Stets war die NGG darauf bedacht, den nicht öffentlich in der Rechenschaft stehenden innergewerkschaftlich bestimmten Rahmen nicht zu überschreiten. Im Ergebnis wurde nur inkonsequent wirtschaftlicher Druck auf den Gegner aufgebaut, es wurden sogar Aktivitäten Dritter in dieser Richtung immer wieder be- und auch verhindert. Und dies, obwohl klar ist, dass das die einzige Sprache ist, die das Kapital versteht. Auch das kann nur vor dem Hintergrund sozialpartnerschaftlicher Grundhaltungen bzw. der Verleugnung der Klassenzusammenhänge verstanden werden. Besonders peinlich, dass die NGG sich sogar vom Verhandlungsgegner, dem Vertreter der TEXAS PACIFIC, sagen lassen musste, dass die "doch sonst übliche" Begleitung der Verhandlungen durch protestierende Streikende vor dem Verhandlungslokal fehle. Und das, nachdem die NGG einen entsprechenden Vorschlag der Streikenden und des UnterstützerInnenkreises kurz vorher abgelehnt hatte.

# Mangelnde Zusammenarbeit der beiden für GATE GOURMET zuständigen Gewerkschaften verdi und NGG auf nationaler Ebene

Die Düsseldorfer Belegschaft ist bei der Gewerkschaft NGG organisiert, die anderen GATE-GOURMET-Standorte in Deutschland sind bei verdi organisiert. Für den UnterstützerInnenkreis und die Öffentlichkeit war zu keiner Zeit erkennbar, dass die beiden Gewerkschaften eine gemeinsame Kampfstrategie gegen den gemeinsamen Gegner entwickeln würden. Im Gegenteil, alle diesbezüglichen Vorstöße der Streikenden, des UnterstützerInnenkreises und anderer kamen über Ansätze nicht hinaus. Beide Gewerkschaften zeigten sich verschlossen. Diesbezügliche Maßnahmen des UnterstützerInnenkreises und der Streikenden selbst wurden behindert, so wurde Mobilisierungsmaßnahmen und dem Bus der Streikenden zu einer Kundgebung vor der in Frankfurt zu verdi gehörenden GATE-GOURMET-Filiale die gewerkschafltiche Finanzierung verweigert. Zum Ende des Streiks kam es sogar zwischen NGG und verdi Hamburg zum offenen Streit, weil letztere in einem Flugblatt den UnterstützerInnenkreis zitierte und eine Spende an den UnterstützerInnenkreis gab.

Dass aber nationale Solidaritätsaktionen möglich waren, stellte der UnterstützerInnenkreis wirksam unter Beweis. Es konnten an zahlreichen GATE-GOURMET-Standorten in Deutschland Solidaritätsaktionen mit Information der Beschäftigten und auch Widerstand gegen GATE GOURMET und TEXAS PACIFIC organisiert werden. Es wurden vor mehreren Filialen Tausende von Aufrufen der Düsseldorfer Streikenden in deutscher und türkischer Sprache verteilt. In Köln wurden LKWs von GATE GOURMET zur Zielscheibe des Protestes. An mehreren Standort-Städten wurden Protest-Plakate geklebt.

Vor der größten GATE-GOURMET-Niederlassung Deutschlands in Frankfurt wurde eine Kundgebung organisiert, der dortige Betriebsrat und zugleich Konzernbetriebsratsvorsitzende sprach trotz Ablehnung der Veranstaltung durch verdi und NGG. In vielen Belegeschaften konnte die Diskussion über den Düsseldorfer Streik angestoßen werden. Alles mit HIlfe zahlreicher GewerkschafterInnen, aber ohne Unterstützung der zuständigen Gewerkschaftsführung bzw. sogar gegen deren offenen oder versteckten Widerwillen, wie etwa der Streit zwischen NGG Düsseldorf und verdi Hamburg zeigt. Es wurde leider gewerkschaftsseitig zu jedem Zeitpunkt ein gemeinsames und geschlossenes Vorgehen von Streikenden, UnterstützerInnenkreis und Gewerkschaften gegen die gemeinsamen Gegner von GATE GOURMET und TEXAS PACIFIC verweigert. Dies zudem vor dem Hintergrund, dass, wie aus mehreren Filialen berichtet wurde, im Verlauf bzw. aufgrund des Kampfes in Düsseldorf der gewerkschaftliche Organisationsgrad in anderen GATE GOURMET-Filialen deutlich angestiegen sein soll.

# Mangelnde sonstige zwischengewerkschaftliche Zusammenarbeit auf nationaler Basis

Die Düsseldorfer Streikenden wurden mit gewerkschaftlichen Solidaritätsbekundungen und -besuchen überschüttet (und besuchten ihrerseits mit NGG-Unterstützung auch zahlreiche Demonstrationen und Streikaktionen anderer Gewerkschaften). Sogar der DGB-Vorsitzende Sommer war am Streikzelt. Das war sehr wichtig und bedeutsam. Doch folgte in den allerwenigsten Fällen politische Schlussfolgerung aus dieser Solidariät und kaum praktische Aktionen, die die Gegner GATE GOURMET und TEXAS PACIFIC hätten schmerzen können. In keinem der mehr als einhundert Betriebe am Düsseldorfer Flughafen beispielsweise erfolgte irgendeine praktische gewerkschaftliche Solidaritätsaktion, obwohl es dazu durchaus - auch im Rahmen des Betriebsverfassungsgesetzes - Möglichkeiten gab.
Als die Streikwelle bei verdi und IG Metall losbrach, ging die Solidarität ebenfalls über Besuche und gegenseitige Soli-Bekundungen nicht hinaus. Die Streiks wurden weder in ihrem politischen Kern zusammengeführt noch in die Aktion gegen gemeinsame Gegner geführt. Es wurde nicht erkannt, dass der Klassengegner, Kapital und Kabinett, die Gewerkschaften insgesamt und auch das gesamte System schwer und hart erkämpfter Schutzsysteme angreifen, schwächen und zerstören will. Die Notwendigkeiten der Bildung einer gemeinsamen Front gegen Kapital und Kabinett wurde und wird (noch) nicht gesehen.

Dabei gab es immer wieder Ausnahmen, die zeigten, wie wirksame gewerkschaftliche Kooperation aussehen kann. So etwa die Blockade der IG Metall Düsseldorf/Ratingen und die Blockade der Kölner GewerkschafterInnen, aber auch beispielsweise die gewerkschaftlichen Aktionen in Hamburg und Kassel. Ebenso muss aber leider daran erinnert werden, dass die NGG mehrfach gewerkschaftliche Solidaritätsmaßnahmen verhinderte bzw. absagte, so etwa die Blockade der Gewerkschaftsjugend oder die Blockade der IG Metall Duisburg.

# Mangelnde allgemeine gewerkschaftliche Zusammenarbeit auf internationaler Ebene

Es kam über Solidaritätserklärungen hinaus zu keiner bekanntgewordenen international abgestimmten gewerkschaftlichen Kampfmaßnahme gegen den weltumspannenden multinationalen GATE-GOURMET-Konzern bzw. die international agierende Kapitalgruppe TEXAS PACIFIC. Gerüchteweise drang durch, dass US-amerikanische Gewerkschaftsfonds, die ihr Kapital TEXAS PACIFIC anvertraut haben (!!!), protestiert hätten. Aber Genaues erfuhr die Öffentlichkeit nicht. Es wurde gewerkschaftlicherseits sogar Informationen vorenthalten bzw. falsch informiert über die Londoner GATE-GOURMET-Beschäftigten, die seit 7. Augsut 2005 im Kampf stehen. Im Nachhinein wurde dies damit begründet, dass im dortigen Kampf eine trotzkistische Partei stark engagiert sei, und zudem die britische Gewerkschaft TWGU sich mit GATE GOURMET geeinigt hätte. Abgesehen davon, dass es angesichts übermächtiger Angriffe von Seiten des Kapitals nur noch aus antikommunistischen Motiven heraus erklärt werden kann, wenn Zusammenarbeit mit linkspolitischen Kräften diffamiert wird, wurde verschwiegen, dass der "Abschluss" der TWGU sowohl von anderen Gewerkschaften als auch in der TWGU selbst breit kritisiert wird.
Dass und wie andererseits internationale Solidaritätsmaßnahmen möglich waren, stellte der UnterstützerInnenkreis immer wieder eindrucksvoll unter Beweis. Während die NGG beispielsweise bei ihrem Besuch der GATE-GOURMET-Europa-Zentrale in Zürich die dort spontan entstandene Solidarität von Schweizer UnterstützerInnen widerwillig hinnahm und abzuwürgen versuchte, entwickelte der Düsseldorfer UnterstützerInnenkreis die Zusammenarbeit. Mit dem Ergebnis, dass in der Schweiz zahlreiche Soli-Aktionen stattfanden und die Auseinandersetzungen bei GATE GOURMET und TEXAS PACIFIC immer wieder in die Öffentlichkeit getragen wurden. Ebenso im Fall der bereits mehrfach erwähnten Zusammenarbeit mit den im Kampf stehenden Londoner GATE-GOURMET-Beschäftigten. Diese kamen auf Einladung und auf Kosten der Streikenden und des UnterstützerInnenkreises gegen den erklärten Willen und ohne finanzielle HIlfe der NGG nach Düsseldorf. Und um den Aktionen der Streikdenden zusammen mit den Londonern Großbrittanien abzuwürgen, drohte die NGG den beteiligten Streikenden sogar den Entzug des Streikgeldes an (diese Drohung wurde aufgrund der Proteste von Seiten der Streikenden wieder zurückgezogen). Darüber hinaus gab es internationale Solidarität bei GATE-GOURMET-Filialen in Argentinien, Dänemark, Spanien und zahlreichen anderen Ländern.

# Schwächen im Dreiklang Gewerkschaft - Streikende - UnterstützerInnenkreis

Obwohl der UnterstützerInnenkreis und die Streikenden engstens und freundschaftlich zusammenarbeiteten, obwohl nachweislich der UnterstützerInnenkreis erheblichen Anteil am Erfolg des Streiks hat und Dinge leistete, von denen auch die NGG profitierte, obwohl der UnterstützerInnenkreis sich zu wesentlichen Teilen aus GewerkschafterInnen zusammensetzte und stets gewerkschaftssolidarisch operierte, stand die Gewerkschaft NGG (und auch verdi) dem UnterstützerInnenkreis stets - gelinde gesagt - skeptisch gegenüber und verweigerte partnerschaftliche Zusammenarbeit bis zum Ende. Selbst die offizielle Anfrage zu einer Gemeinsamen öffentlichen Veranstaltung zu Beginn des Jahres wurde einfach ignoriert, an keiner der öffentlichen Solidaritätsveranstaltungen nahmen verdi oder NGG offiziell teil. So nimmt es auch nicht Wunder, dass die NGG über den pauschalen Dank "an alle" hinaus den Einsatz und die Leistungen des UnterstützerInnenkreises auch in der Schlussansprache am Streikzelt am 7.4.06 nicht würdigte. Geschweige denn, dass sie die wichtigen politischen Erfolge dieser Arbeit anerkannte. Im Gegenteil, immer wieder mäkelte und behinderte sie, suchte in den Veröffentlichungen aus dem Kreis der Solidarität Ansatzpunkte für grundsätzliche Ablehnung der Soli-Arbeit. Besonders skandalös ist der mehrfach erhobene Vorwurf gegen das Konto des UnterstützerInnekreises. Die Streikenden hätten darauf keinen Einfluss, wird wider besseren Wissens behauptet. Im Gegensatz zum NGG-Spendenkonto wird das Konto des UnterstützerInnenkreises öffentlich einsehbar auf der Internetseite www.gg-streik.net geführt und dient ausschließlich zur Finanzierung von mit den Streikenden abgestimmten Aktivitäten. In Wahrheit ist die NGG sauer, dass der UnterstützerInnenkreis es schaffte, sich eine eigene NGG-unabhängige finanzielle Basis für seine Arbeit zu schaffen. Es blieb den Streikenden selbst überlassen, auf der letzten Kundgebung am Streikzelt, am 7. April, außerhalb des offiziellen NGG-Beitrages von Dieter Schormer die Arbeit des UnterstützerInnenkreises zu würdigen und sich dafür zu bedanken....

Ausblick

Insgesamt ist für die Streikenden, die Gewerkschaft(en) und für uns alle der Kampf keinesfalls vorbei. Im Gegenteil, das Kapital hat eine Entschiedenheit und Geschlossenheit demonstriert, die dringenden Anlass gibt, auf Seiten der Gewerkschaften und aller antikapitalistischen Kräfte über die Erhöhung der Kampfkraft, über die Entwicklung gemeinsamer Kraft und Stärke, über nationale und internationale politisch und gewerkschaftlich übergreifende Kooperation nachzudenken bzw. entsprechend zu handeln. Nach dem Ende des Streiks in Düsseldorf geht es mit der Auzseinandersetzung um den Betriebsrat und die konkreten Bedingungen im Betrieb weiter. Die nächsten Streiks - auch bei GATE GOURMET - kommen mit Sicherheit. Die Londoner KollegInnen stehen noch immer im Kampf. verdi ist für die anderen bundesdeutschen GATE-GOURMET-Filialen in Verhandlungen getreten. Weltweit ist nicht abzuschätzen, wie es bei GATE GOURMET weitergeht. Und GATE GOURMET steht nur als Beipiel für die anderen multinationalen Konzerne, für die Kapitalmacht und kapitalistischen Gesetzlichkeiten.

Nach dem Streik ist vor dem Streik!
Gegen Ausbeutung & Profitgier! Für Menschenwürde & Gerechtigkeit!

Danke

Dank an alle, die im Kampf bei GATE GOURMET in Düsseldorf aktiv waren und Solidarität übten. Fast täglich gab es Solidaritätsaktionen. Beide großen christlichen Kirchen und der Islam drückten durch hohe Repräsentanten ihre Solidarität durch einen gemeinsamen Gottesdienst am 24.12. am Streikzelt aus. Viele Gewerkschaften, so auch der DGB-Vorsitzende Sommer, waren vor Ort. Die DKP, die Linkspartei und viele andere Linkskräfte führten Aktionen und Blockaden bei GATE GOURMET durch. GewerkschafterInnen und andere Menschen aus ganz Deutschland sind nach Düsseldorf gereist, um sich solidarisch zu zeigen. Es wurde sehr viel Geld zur Unterstützung der Streikenden auf das Konto der NGG, aber auch (deutlich weniger) auf das Konto des UnterstützerInnenkreises gespendet . Es wurden in vielen Orten Deutschlands und anderer Länder in aller Welt Soli-Aktionen durchgeführt.
Besonderer Dank den Streikenden, die unter teilweise großen persönlichen Entbehrungen den Kampf führten und nie den Mut sinken ließen. Besonderer Dank den KollegInnen der NGG, die den Streikenden rund um die Uhr zur Seite standen. Besonderer Dank dem UnterstützerInnenkreis, der in enger Abstimmung mit den Streikenden und so gut es ging mit der NGG und der verdi ehrenamtlich neben Beruf und Familie die nationale und internationale Solidarität organisierte.

Der Erfolg des Streiks in Düsseldorf ist das Ergebnis aller!

Der UnterstützerInnenkreis plant u.a., die restlichen Spendengelder in ein Auswertungsprojekt über diesen Streik zu stecken.



Darstellung des Hintergrunds des Streiks in Düsseldorf

Das Besondere am Kampf bei GATE GOURMET in Düsseldorf war, dass es sich um eine vereinzelt kämpfende kleine Belegschaften handelt. Denn längst ist der Konzern zerschlagen in kleine wirtschaftlich selbstständige Einheiten. Genau um die Kampfkraft der Belegschaft zu schwächen. Zudem wird Düsseldorf von der Gewerkschaft NGG organisiert, alle anderen Standorte von der Gewerkschaft verdi.

Außerdem war das Besondere, dass dieser Kampf nicht nur um die sozialen Bedingungen im Betrieb geführt wurde, sondern gegen die Brutalität des Kapitalismus insgesamt. Die Beschäftigten stehen einem großen multinationalen Konzern (GATE GOURMET) und einer mächtigen und brutalen Kapitalgruppe (TEXAS PACIFIC) gegenüber. Sie kämpften nicht für ihre eigenen Interessen, sondern für uns alle. Kapital und Politik greifen auf breiter Front an, ihr Angriff trifft uns alle früher oder später.

Die KollegInnen bei GATE GOURMET kämpften gegen Ausbeutung & Profitgier!
Für Menschenwürde & Gerechtigkeit!

Kapitalismus brutal

Die Beschäftigten beim multinationalen GATE GOURMET-Konzern (GG) befinden sich im Würgegriff kapitalistischer Hasardeure. GATE GOURMET ist der zweitgrößte Flugzeugversorger der Welt (Catering-Unternehmen). Der US-amerikanische Prvate Equity Fonds TEXAS PACIFIC (TP) hat die Firma gekauft, um aus ihr Maximalprofite herauszupressen. Es kam im vergangenen Jahr bereits in London zu Streiks bei GATE GOURMET, weil sich die Arbeitsbedingungen brutal verschlechtern. Mittlerweile muss ein Kollege das bewältigen, wofür nioch 2003 zwei arbeiteten. In Deutschland fordert die Gewerkschaft NGG jetzt 4,5% plus, der Konzern 10% minus. Dafür sollen die Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich verlängert, die Zulagen gestrichen und andere "Einsparungen" umgesetzt werden. TP benimmt sich ausgesprochen rüde: Das Streikzelt vor dem Werkstor wurde einfach vom Sicherheitsdienst abgeräumt; die Tarifverhandlungen verlaufen ohne Kompromißbereitschaft; der von der Landesregierung eingesetzte Schlichter wurde brüskiert und ist fassungslos. TEXAS PACIFIC wollte offenkundig die Belegschaft auf die brutalstmögliche Art in die Knie zwingen. Doch das gelang nicht, die Streikfront stand bis zum Schluss geschlossen.


Ergebnis der Tarifverhandlungen

Die wichtigsten Ergebnisse
# Arbeitszeit ? keine dauerhafte 40-Stunden-Woche; Ausgleich für SchichtarbeiterInnen
# Jahressonderzahlung
# Zuschläge
# Fast überall soziale Komponente durchgesetzt
# Entgelterhöhung durchgesetzt
# Betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen
# Flexiregelung deutlich verbessert
# Es gibt wieder einen gültigen MTV
# Sozialtarifvertrag mit Abfindungsregelung

MTV-Wochenarbeitszeit
# Ab 01.04.06 für Verwaltungsmitarbeiter + Supervisor 40 Stunden
# Alle anderen 39 Stunden
# Arbeitszeitkonto 2006: 23 Minusstunden für MA mit 39 Stunden-Woche; 20 Minusstunden für MA mit 40 Stunden.
# Ab 01.01.07 für alle 40 Stunden
# Ab 01.04.09 Arbeitszeit wie im vergleichbaren Flächentarifvertrag von 39 Stunden

MTV-Arbeitszeit-Freischichten als Ausgleich
# ArbeitnehmerInnen im Schichtsystem erhalten für 25 Schichten (überwiegende Arbeit zwischen 21:00 und 06:00 Uhr) eine
Freischicht
# AN im Zweischicht-Wechsel für je 55 Spätschichten eine Freischicht

MTV
# Für Urlaub am 24.12. und 31.12. wird pro Tag ein Urlaubstag angerechnet
# Zuschläge: Sonntagsarbeit 40%; Feiertage 140 %; ab der 3. Mehrarbeitsstunde pro Tag und bei mehr als 10 Stunden pro Tag 30%; 25 % Mehrarbeitszuschlag ab 45. Stunde; für Schichtarbeit von 23:00 bis 06:00 Uhr 25%

MTV-Arbeitszeit-Flexiregelung
# Dienstplan wird zwischen BR und AG abgestimmt.
# Kein Abzug bei Arbeitsunfähigkeit
# Belastungsausgleich für AZ-Konto 25% nach der 44. Wochenstunde
# Am Ende des Verteilzeitraums werden Guthaben über 40 Stunden mit 25% Zuschlag ausbezahlt
# Wochenbeginn: Montag 0.00 Uhr ? Ende Sonntag 24.00 Uhr
# Pro Monat mindestens ein freies Wochenende (Samstags 0.00 bis So 24.0 Uhr
# Maximale Wochenarbeitszeit: 45 Stunden
# Freier Tag (=24 Stunden) beginnt erst nach 11 Stunden Ruhezeit
# Arbeitszeitschuld aus betrieblichen Gründen über 40 Stunden verfällt am Ende des Ausgleichszeitraum

MTV-Urlaub bleibt
# Urlaub 30 Tage
# Urlaubsgeld AN, die am 1. Juni eine Betriebszugehörigkeit von 11 Monaten haben, erhalten nach vollendetem 1. Jahr 249 ?, nach vollendetem 3. Jahr 274 ?

MTV-Jahressonderzuwendung
# 2006-2008 Lohngruppen 1-6 1.000?; 7 800?; 8 600? ; 9 400?; 10 200?
# Ab 01.01.09 50% des Monatsentgelts; zzgl. 25% wenn EBITDA 16,6%; zzgl. weiterer 25 % bei EBITDA 17,9 %

ETV
# Entgelterhöhung ab 01.07.06 1%; ab 1.08.07 1 %
# zusätzliche Erholungsbeihilfe 156? netto in 2006 156E netto in 2007
# Staffel für neueingestellte an 01.04.06
# Laufzeit: 01.04.06-31.03.09

Sozialtarifvertrag
# AN denen aus betriebsbedingten Gründen bis zum 19.05.06 gekündigt wird, erhalten eine Abfindung

Beschäftigungsgarantie
# Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen vom 20.05.06 bis 31.03.09
# Bei Betriebsänderung nacg § 111 BetrVG ist betriebsbedingte Kündigung nur zuläössg, wenn zuvor alle Leiharbeitnehmer, Fremdfirmen etc. gekündigt worden sind

Maßregelungsklausel
# Jede Maßregelung aus Anlass Streikteilnahme unterbleibt oder wird rückgängig gemacht
# Keine Benachteiligung von Streikteilnehmern
# Keine Schadensersatzansprüche oder Strafanzeigen
# Urlaubsansprüche aus dem jahr 2005 können bis zum 30.06.06 übertragen werden

Laufzeit ETV und MTV
# Ab 01.04.06
# Erstmals kündbar zum 31.03.09


siehe auch:  http://www.gg-streik.net

Labournet:
 http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gast/ggduess.html

>> ADD EXTRA INFORMATION

ADDITIONAL INFORMATION