The Free Association: Welten in Bewegungby - 28.05.2007 17:04
Ding Dong! Die Hex' ist tot... Die böse Hexe ist tot! Mit dem nicht wieder gut zu machenden Scheitern der letzten Handelsgespräche scheint die WTO tatsächlich gestorben zu sein. Die ständigen Anti-Gipfel Proteste um den Jahrtausendwechsel und darüber hinaus sowie die sozialen Bewegungen, die sich um sie herum gebildet haben, waren wesentlich an ihrem Ableben beteiligt. Dennoch gab es bis heute keine allgemeinen Siegesgefühle. Man kann sogar das Gegenteil behaupten: das 'Wir haben gewonnen' Gefühl ist in den Jahren nach Seattle verschwunden und wurde bestenfalls durch Grübelei und Gewissensforschung ersetzt. Hierbei geht es aber eher um das Phänomen WTF (Was zum Teufel?!) als um die WTO... Vielleicht verstehen wir dieses Paradoxon besser, wenn wir Bewegungen nicht wie massive Klötze aus Menschen betrachten, sondern wie sich bewegende soziale Verbindungen. Natürlich sind soziale Verbindungen immer in Bewegung: das Kapital versucht dies zu unterbinden, denn diese Verbindungen stellen eine universelle und unveränderliche Lebensform dar, obwohl sich diese sozialen Verbindungen jeden Tag neu definieren müssen. Jedes Mal, wenn wir zur Arbeit gehen, oder Geld gegen Güter tauschen, oder auf entfremdete Art und Weise handeln, etc. Doch hin und wieder werden diese sozialen Verbindungen durch unsere Aktionen, neue Welten zu schaffen, grundlegend herausgefordert. Einer der Orte, wo dies passiert sind Gegen-Gipfel: die neuen Welten, die wir dort erschaffen, mögen nur kurzzeitig oder geographisch begrenzt existieren (dies ist die Kritik am 'Gipfel-Hopping'), doch genau diese Begrenzungen geben uns Raum zum experimentieren. Sie schaffen eine Intensität, die uns dazu befähigt zu sehen, wie sich soziale Verbindungen auf zwei unterschiedlichen Ebenen bewegen. Die eine Ebene können wir 'Forderungen' nennen und die andere 'Problematiken' (Problemstoff). SEID REALISTISCH... Forderungen sind in ihrer Natur immer das Verlangen nach jemandem oder etwas. Es sind Forderungen an einen realen Staat oder an eine Sachlage. Sie können eindeutig sein - z.B. wenn wir an Regierungen herantreten und eine Gesetzesänderung oder die Wiederanstellung entlassener ArbeiterInnen fordern; sie können aber auch implizit sein - wenn wir zum Beispiel darauf bestehen, uns selbst zu überwachen. Doch sie unterliegen zu einem gewissen Grad immer dem, dem wir zu entkommen versuchen: wir akzeptieren dabei die Idee von 'Arbeit' oder die Idee von 'Überwachung'. Wenn Forderungen tatsächlich erfüllt werden, geschieht das nur mit der weiteren Reduzierung der Autonomie der Bewegung. Der Staat oder das Kapital gewährt eine Forderung nur, wenn sie zu den eigenen Regeln und der eigenen Logik passt. So funktioniert Schlichtung: denkt zum Beispiel daran, wie die 'grüne VerbraucherInnenbewegung' als eine Lösung für den Klimawandel unterstützt wird. Die Aufnahme einer Forderung nimmt fast immer die Form eines Gegenschlages an - die Kosten für Aktionen gegen den Klimawandel werden immer auf uns abgewälzt (z.B. Maut, Ökosteuer). Es heißt, sei vorsichtig, was Du dir wünschst, denn... Doch es ist nicht immer so einfach, dass alle Forderungen zu leerer Erholung führen würden ('größere Käfige, längere Ketten...'). Diese größeren Käfige geben uns Raum zum Manövrieren. Und das liegt teilweise daran, dass Forderungen auf fremdem Territorium funktionieren, wenn wir die Erfüllung unserer Forderungen nicht als Siege anerkennen. Sie kommen uns wie die Aktionen unserer Gegner vor, wie das Produkt ihres guten Willens aber nicht unserer eigenen Aktivität. Wir müssen ein bisschen tiefer graben, um zu sehen, was tatsächlich passiert. In vielerlei Hinsicht bedeuten Forderungen auch das Einfrieren einer Bewegung. Dies ist ein Versuch das einzufangen, was wir sind und es in der Öffentlichkeit zu repräsentieren. Aber wie bei der Kristallisierung, tragen sie auch unsere Logik in sich, wie eine Fliege, die in einem Bernstein gefangen ist. Dies ist der Art sehr ähnlich, wie das Produkt unserer Arbeit an uns zurück verkauft wird: manchmal ist es schwer, die soziale Geschichte zu erkennen, weil sie unter der letzten Meldung der Regierung verschüttet liegt. Es gibt einen zweiten Grund dafür, warum wir es schwer finden, die Siege im Rahmen der Repräsentation feiern zu können. In diesem Prozess gibt es eine zeitliche Verzögerung: als wir 1999 durch Seattle stürmten und riefen "Weg mit der WTO!" hatten wir das Gefühl, wir hätten gewonnen, wir hätten die WTO in die Knie gezwungen. Aber sie verweilte nicht bis 2006 in dieser Position. Wenn Forderungen 'erfüllt' werden bewegen sich Bewegungen weiter. Und das ist nicht nur eine Frage der Zeit: es hat auch etwas mit Geschwindigkeit zu tun. In diesen intensiven Momenten wie der Mobilmachung zu Gegengipfeln, können wir uns so unglaublich schnell bewegen, dass uns einige Tage wie Jahre vorkommen. Denkt daran, wie wir an einem Convergence Centre oder einem Camp ankommen: am Anfang ist es nur ein nichts sagendes Feld, auf dem wir damit kämpfen, Orientierung zu finden, doch nach einigen Tagen haben wir dieses Feld in eine neue Welt verwandelt. ...FORDERT DAS UNMÖGLICHE! Forderungen sind allerdings nur ein Moment, den soziale Bewegungen durchlaufen. Sie sind zwangsläufig einseitig und parteiisch, denn sie funktionieren auf einem Terrain, welches nicht unseres ist. Hier interessiert uns mehr die Bewegung auf der Ebene der 'Problematiken'. Anders als bei den Forderungen, die bedingungslos laut und statisch sind, geht es bei Problematiken um Aktion und Bewegung. Wenn Forderungen ein Versuch sind, das festzuhalten, was wir sind, dann geht es bei Problematiken eher darum, was wir werden. Soziale Bewegungen bilden sich um Probleme herum. Wir sehen darin keine einfache funktionalistische Mode, als ob es ein bereits bestehendes Problem gäbe, das eine soziale Bewegung hervorrufen würde, die dann den Staat oder das Kapital dazu bewegt, das Problem zu lösen. Es funktioniert eher so, dass soziale Bewegungen ihre eigenen Problematiken produzieren und gleichzeitig von ihm gebildet werden. Wie funktioniert das in der Praxis? Zuerst brauchen wir einen Moment des Bruchs, der ein neues Problem erzeugt, eines, dass nicht in das 'Verständnis' der zeitgemäßen Gesellschaft passt - das ist das Sandkorn, das die Perle macht. Der Aufstand der Zapatistas ist ein Beispiel, aber wir könnten uns genauso gut auf den Klimawandel oder Grenzkämpfe beziehen. Mit diesem Bruch entstehen ganz neue Fragen, neue Probleme, die keinen Sinn ergeben und für die es keine einfache Lösung gibt. Wenn wir versuchen diese Problematik zu formulieren, erschaffen wir neue Welten. Das ist es, was wir mit 'Worlding' (Welt-erschaffen) meinen: indem wir eine andere Welt ins Auge zu fassen, indem wir in einer anderen Welt handeln, rufen wir diese Welt hervor. Nur wenn wir (zumindest teilweise) aus dem 'Verständnis' der alten Welt ausgebrochen sind, kann eine neue Welt ihren eigenen Sinn ergeben. Betrachten wir das Beispiel von Rosa Parks, die sich einfach weigerte, sich in den hinteren Teil des Busses zu setzen. Sie forderte nichts, sie leistete keinen Widerstand, sie handelte einfach in einer anderen Welt. Es ist das selbe mit der 'Anti-Globalisierungs Bewegung': kaum hatten wir uns zu einer sozialen Macht entwickelt, mussten wir uns schon als eine Alternativbewegung zur wirtschaftlichen Globalisierung umdefinieren. Auf unterschiedliche Weise befanden wir uns in einer neuen Position, in der wir niemanden hatten, an den wir unsere Forderungen stellen konnten. Wie hätten wir anders handeln können, außer uns eine andere Welt (oder Welten) zu schaffen? Und wer würde sie erschaffen, wenn nicht wir selbst? Doch zuerst müssen wir das 'Uns' erschaffen... Und hier kommen wir zu den Forderungen zurück, zur Kristallisierung, denn der Prozess diese neue Kraft (dieses neue 'Uns') zu schaffen, schließt auch das Handeln auf der Forderungs-Ebene ein. Das kann ein sehr produktiver Moment sein. Der Bruch selbst kann die Form einer Forderung annehmen, vielleicht als ein definitives 'Nein!' Dies kann einer Bewegung eine Identität geben, eine klare Position, um die sich Menschen orientieren können - ein öffentlicher Aufstand, in dem sich eine breite soziale Bewegung bilden kann. Genau das geschah in den letzten zehn Jahren bei Gipfelprotesten. Viele von uns waren nicht in Seattle, aber dort wurde eine Identität geschaffen, auf die wir uns locker beziehen können. Diese Identität wurde in Göteborg, Cancun, etc. gestärkt und vertieft. Mit anderen Worten, Gipfelproteste waren nicht nur bewusste Versuche die Treffen der Reichen und Mächtigen zu delegitimieren. Sie legitimierten gleichzeitig auch unsere Welten und öffneten Raum für Welten, die von ihrer eigenen, nicht von der Logik des Kapitals und des Staates regiert wurde. Gipfelproteste spielten eine große Rolle in der Erschaffung eines neuen 'Uns', eines erweiterten 'Wirs'. Auch zum G8 Gipfel 2003 waren wir Teil dieses Prozesses, als es in Saint-Cergues zu einer massiven Straßenblockade kam: das 'Nein!' an der Front der Barrikade öffnete einen Raum, in dem ein neuer Körper und eine neue Beständigkeit gebildet werden konnte. Wir erlangten eine neue Erkenntnis (Taktiken, wie man mit Tränengas und Pfefferspray umgeht), wir entwickelten neue Wege in Entscheidungsfindung (wie man Nahrungs- und Wasservorräte konstant hält, wie man sich fit hält, wie man sich zurückziehen kann) und wir weiteten die Problematik aus (blockierten Seitenstraßen, traten mit Anwohnern in Kontakt). Der Schritt von Opposition zu Synthese, von der Forderungs-Ebene zum Problem der Praxis, fällt nie leicht. Die britische Bewegung gegen die poll tax (Kopfsteuer) zum Beispiel hat es nie geschafft ihre eigene autonome Beständigkeit zu finden - als die Regierung 1991 schließlich nachgab, brach die Bewegung auseinander. Wir wurden durch unser gemeinsames 'Nein!' zusammen gehalten - so konnten wir zusammen stehen - doch ohne der Findung von 'Jas' waren wir einfach bewegungsunfähig. Es ist aber auch nervenaufreibend, die Forderungs-Ebene zu umgehen. Die Kritik an der Mobilisierung zum G8 Gipfel 2005 war, dass wir uns zu leicht von einer staatlich angeleiteten Kampagne (Make Poverty History) ausmanövrieren ließen, die dazu genutzt wurde 'in unserem Namen' Forderungen zu stellen. Diese Bewegung musste zwangsläufig Dinge in Betracht ziehen, die außerhalb ihres Rahmens liegen, wie die Aktionen des Staates oder den Einsatz von Polizeihubschraubern in Saint-Cergues. Deshalb bewegen wir uns in Erwiderung neuer Entwicklungen, um Gefangennahmen zu vermeiden. Es gibt aber auch eine interne Dynamik, die ihren Ursprung in neuem angereicherten Material hat, das sich an das ursprüngliche 'Sandkorn' angliedert. Dieses neue Material hat ihre eigenen neuen Eigenschaften und könnte auf neue interne Problematiken stoßen. Auf Makro-Ebene könnten wir hier an Debatten über den Schwarzen Block oder Gewalt nach Genua denken, wo es zu vielen neuen Fragen kam und sich alles vorwärts bewegte. Oder wir betrachten, wie die Idee des Convergence Centres, egal ob gemietet, gekauft oder besetzt, zu Gipfelprotesten das ganze Vorgehen zusammen fasst. Diese Zentren bieten einen Raum (wenn auch nur vorübergehend) in dem sich Bewegungen verbinden und damit beginnen können eine Beständigkeit zu entwickeln. Unter dem Pflaster... Hier gibt es ein größeres Problem. Zwischen unseren autonomen Bewegungen (Schaffung neuer Formen, Aufwerfen neuer Problematiken, etc.) und den Effekten, die solche Bewegungen auf das Kapital, den Staat und ihre Mechanismen der Gefangennahme haben, gibt es eine Verbindung. Es existiert die Gefahr, dass wir in diesem Zusammenhang eingeschlossen bleiben und uns nicht befreien können. Wir können der Gefangennahme nie komplett entgehen, aber wir können versuchen Techniken zu entwickeln, die sie verschieben oder vermindern können. Und genau hier hat sich die Mobilisierung zu Gegengipfeln bewährt. Im täglichen Leben ist es ziemlich einfach die Welt der Forderungen und Dinge zu sehen, aber es ist schwieriger auszuarbeiten, was darunter geschieht. Wir können einen flüchtigen Blick auf die grundlegende Dynamik bei spektakulären Ausbrüchen werfen (Paris 1871, Barcelona 1936, Seattle 1999, Oaxaca 2006...) oder die Forderungs-Ebene betrachten und sehen, was in der Presse über uns geschrieben wird, oder wie der Staat handelt. Gipfelproteste können dieses Alltags-Gleichgewicht erschüttern und diesen intensiven Raum zum Leben erwecken. Wir können Konsumgüter so sehen, wie sie sind - tot. Wir bekommen eine Ahnung davon, dass es real ist, das ist das Leben. Und wir können leichter erkennen, woraus soziale Bewegungen bestehen. Dies hat tiefgreifende Folgen. Es wird immer offensichtlicher, dass unsere Bewegung keine Bewegung von uns (AktivistInnen gegen andere) ist, sondern eine Bewegung von sozialen Verbindungen, ein Freigeben von allem was Gefangen ist. Das Bewegen von sozialen Verbindung ist wie das Brechen einer Eisscholle: sie hat keine Ecken oder Grenzen ('diese Gruppe gehört zu unserer Bewegung, diese Gruppe nicht' etc.), oder die Grenzen sind ständig in Bewegung; die Bewegung setzt sich überall hin fort - wirklich überall hin. Das ist das Gefühl des Gewinnens, das wir in Seattle und anderswo kennen gelernt haben. Wir glaubten, dass wir gewinnen würden, weil wir nicht mehr 'Wir' waren; vielleicht haben wir sogar die Idee eines 'Wirs' aufgegeben, weil es kein Außen mehr gab, kein 'wir' und 'sie'. Die Ungreifbarkeit des 'Wirs' wird in diesem Text wiedergespiegelt: die Bedeutung des 'Wirs' rangiert von 'wir die AutorInnen' zu 'ihr, die LeserInnen' hin zu einem erweiterten 'wir', das den Maßstäben trotzt. Außerdem kann das, was wir tun nicht darauf beschränkt werden, was bewusst beschlossen wurde: manchmal 'tun' wir Dinge hinter unserem eigenen Rücken. Doch diese Erschütterung des Alltags bildet auch neue Formen der Gefangennahme, neue Absprungpunkte. Und dies kann für uns eine Chance sein, dem Zwillingsapparat von Gefangennahme durch den Staat zu entkommen. Auf der Forderungs-Ebene versucht der Staat uns in seine Denklogik einzugliedern. Denken wir daran, wie die Polizei versuchte, das besetzte Klimaaktions- Camp in seine eigene Logik von Legalität einzugliedern, indem sie uns anboten 'nützlich' zu sein und nur einen kurzen Spaziergang über das Gelände zu machen. Zuerst wurde dieses 'Angebot' angenommen, da das Camp ein gewisses Sicherheitsgefühl brauchte. Doch das hat auch seinen Preis: wenn wir uns auf ein Terrain der Gesetzmäßigkeit begeben (egal ob 'legal' oder 'illegal'), bewegen wir uns nach ihren Vorstellungen, nicht nach unseren. Der Polizei zu erlauben das Campgelände zu betreten schuf einen Präzedenzfall und es war fortan nicht mehr möglich die andauernden Patrouillen ohne neue Gefangennahmen abzuweisen. Wenn wir diesen Bruch initiieren und der Logik der immer tiefer gehenden Problematik folgen, stoßen wir auf unseren Gegenpol, die staatliche Maschinerie kompletter Repression. Wir laufen Gefahr uns von dieser Zange Eingliederung/Repression und unserer Aktivität gefangen nehmen zu lassen. Im schlimmsten Fall lenkt uns das von unseren eigenen autonomen Bewegungen weg. Hier kommen wir zum Ausgangspunkt zurück: das Problem, vor dem wir immer und immer wieder stehen, ist das Risiko als radikale ReformerInnen, GipfelprotestiererInnen, Arbeitsplatz-AktivistInnen und ähnliches von der Logik des Kapitals und des Staates gefangen nehmen zu lassen. Das Kapital sieht seine eigenen Grenzen als Norm an, doch in Wirklichkeit sind diese Grenzen 'ihre', nicht unsere. Die einzige Möglichkeit für autonome, soziale Bewegungen, diesen Todestanz zu umgehen, ist es, neue Wege zu beschreiten. In diesem Sinne ist das Gewinnen auf der Ebene der Problematiken nur der Gewinn erweiterter Problematiken, da sich unsere experimentelle Forschung immer weitere Horizonte öffnet. Oder noch prosaischer, all diese Bewegungen können vom 'Gewinnen' noch mehr Bewegung gewinnen. Und deshalb zieht es uns immer wieder zurück zu der Mobilisierung zu Gegengipfeln wie zu Heiligendamm: sie sind Orte, an denen die Bewegung der Bewegungen die Grenzen ihrer Aufstellung durchbrechen und ihre eigenen Fragen stellen kann. Anmerkungen 'Soziale Bewegungen haben kein 'Recht' auf Welt. Tatsächlich bewegt sich jede autonome Problematik automatisch in die Sphäre revolutionär zu werden. Und diese Problematik kann sowohl durch ein 'Nein' als auch durch ein 'Ja' entstehen. Aus der Perspektive des Kapitals sind autonome Forderungen immer partiell und einseitig (sogar 'egoistisch'), denn wir verweigern uns, seine Logik zu berücksichtigen. In der Englischen Revolution in den 1640er Jahren gab es einen großartigen Moment, als die Levellers (GleichmacherInnen) damit drohten mit ihren Forderungen nach Gleichheit die Welt auf den Kopf zu stellen. Sir Thomas Fairfax, Oberbefehlshaber der Armee fragte sie: 'Mit welchem Recht und mit welcher Befugnis stellt ihr diese Forderung?' Es wurde still, bis sie antworteten: 'Durch die Macht des Schwertes, Meister Fairfax, durch die Macht des Schwertes.' Über drei Jahrhunderte später, auf dem Höhepunkt der Anarcho-Punk Bewegung formulierte die Band Crass dies mit direkteren Worten in ihrem Text: 'Schulden sie uns ein Leben? Klar tun sie das, verdammt!' Die Bewegung gegen die poll tax (Kopfsteuer) gilt als die größte Massenbewegung in der britischen Geschichte. An ihr waren 17 Millionen Menschen beteiligt. Über ca. 18 Monate weigerte sich diese Bewegung ihre Rechnungen zu zahlen, woraufhin einen Monat lang vor dem Rathaus demonstriert wurde und es im März 1990 zu Ausschreitungen kam. Das Camp for Climate Action (Klimaaktionscamp) fand im Sommer 2006 in der Nähe von Selby in Yorkshire, Großbritannien statt. Mehr Informationen darüber findet ihr hier: www.climatecamp.org.uk oder in Paul Sumburn's englischsprachigem Artikel: http://turbulence.org.uk/anewweatherfront.html
Vielleicht eine andere Art dies zu betrachten ist in bezug auf Masseinheiten. Forderungen bewegen sich in einem Feld der Gewissheit, was wir einen komplexen bereich nennen können. Es ist der Bereich der "Dinge", die definiert, gezählt, verhandelt und aufgeteilt werden können. "Sie wollen eine 0.25% Steuer auf alle Währungstransaktionen? Wie wärs mit 0.1%? Oder nur innerhalb der G8?" usw. usw. Sie sind notwendigerweise statisch, deshalb sind sie so einfach zu messen und zu fassen. Problematisches, auf der anderen Seite, bewegt sich in einem Reich von sich bewegenden Wünschen und Subjektivitäten. Dies sind dynamische Prozesse die unteilbar sind, und in diesem intensiven Aspekt passieren Veränderungen. Denkt an eine Demonstration: sie kann gemessen werden anhand der Zahl der Teilnehmenden, oder des Wertes des Sachschadens der dabei angerichtet wurde. Zahlenmäßig ist eine Demonstration von 5,000 halb so wirksam wie eine mit 10,000 Menschen. Aber die Menge an Wut, oder das Gefühl der Stärke, oder das Ausmaß der Kollektivität sind Intensitäten die nicht auf dieselbe Weise gemessen werden können. Alex, Brian, David, Keir, Nate und Nette arbeiteten frei assoziiert an diesem Artikel mit, doch es halfen auch noch unzählige andere Menschen, vor allem Menschen vom CommonPlace Sozialzentrum in Leeds, GB (www.thecommonplace.org.uk). Wie immer erreichten uns auch Ideen aus allen Ecken. Einige unserer Quellen sollte auf jeden Fall genannt werden. Das einleitende Zitat stammt von 'Biggest victory yet over WTO and "free" trade. Celebrate it!' von Olivier de Marcellus ( http://www.nadir.org/nadir/initiativ/agp/free/wto/news/2006/0817biggest_victory_wto.html). Das Konzept zu extensiv und intensiv stammt aus Deleuze und Guattaris 'A Thousand Plateaus'. Paul Hewsons Artikel in 'Shut Them Down!' ist ein genauer Bericht über die Politik hinter Make Poverty History und die Lektionen, die daraus gezogen werden können ( http://www.shutthemdown.org). Der Dialog zwischen Fairfax und den Levellers ist aus Ian Bones brillantem 'Bash The Rich' (Tangent Books) entnommen.
Kommentare, Kritik und Kommunikation sind willkommen: the.free.association at gmail.com. http://www.nadir.org.uk
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