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Kampf um Wasser

by - - 14.07.2002 22:46

Die Situation spitzt sich zu: Der Wasserbedarf steigt dramatisch an; die schlechten Lebensbedingungen an Wasserläufen und Seen tragen dazu bei, dass allein im vergangenen Jahr 25 Millionen Menschen umsiedeln mussten; die Zahl der „Wasserflüchtlinge“ ist erst mal höher als die der Kriegsflüchtlinge. 

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Wasser bedeutet Nahrung, Gesundheit, Leben. Anlass darüber nachzudenken, gibt es selten in unseren regenreichen Breitengraden. Das Lebenselixier ist hierzulande keine Mangelware, weltweit aber wird es knapp, sehr knapp: Bereits 1,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Jährlich sterben zehnmal mehr Menschen durch verschmutztes Wasser als durch Kriege. Aber auch Kriege um Wasser werden in diesem Jahrhundert geführt werden, prophezeien viele ExpertInnen und die UNO. Schon heute ist Wasser eine der Konfliktursachen in vielen Krisenherden der Welt, wie zum Beispiel im Nahen Osten.

Aufgrund des Bevölkerungswachstums, der Verstädterung und des Wirtschaftswachstums steigt die Nachfrage nach der lebensnotwendigen und begrenzten Ressource weiter. In den wild wachsenden Mega-Städten nehmen die hygienischen Probleme überhand, neue Seuchen drohen. Gleichzeitig haben transnationale Konzerne das globale Gut "Wasser“ als "Erdöl des 21. Jahrhunderts“, als hoch profitablen Zukunftsmarkt entdeckt. Längst gibt es harte Kämpfe um den globalen Wassermarkt.

- Kann die Privatisierung der Trinkwasserversorgung Abhilfe schaffen, wenn den öffentlichen Händen die Mittel für die Bereitstellung von Wasserleitungen und der übrigen Infrastruktur fehlen?
- Ist privatisiertes Wasser überhaupt für die arme Bevölkerung erschwinglich?
- Könnte eine "Weltwassercharta“ die den Zugang zu Süßwasser gerecht, grenzüberschreitend und friedlich regelt, wie sie die Schweiz befürwortet helfen?

Auf der Suche nach Problemlösungen und angesichts knapper Kassen erprobt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wie auch die anderer Regierungen die Partnerschaft mit privaten Investoren. „Public Private Partnership“, kurz PPP, ist beinahe eine Beschwörungsformel geworden - auch im Hinblick auf die UNO-Umweltkonferenz Rio plus 10 in Johannesburg.

Homepage Weltgipfel Johannesburg 2002:  http://www.johannesburgsummit.org
Homepage des Gastgeberlandes Südafrika:  http://www.joburgsummit2002.com
Johannesburg Weltgipfel 2002:  http://www.weltgipfel2002.de
Links rund um den Weltgipfel:  http://www.3sat.de/specials/34608/index.html

Wasser in Nahost: wichtiger als Erdöl

Zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern gehört ein ganz wichtiger Rohstoff: Wasser. Oft heißt es, um diese Ressource werden die Kriege der Zukunft geführt, doch im Nahen Osten ist der Konflikt um das lebensnotwendige Nass schon heute bittere Realität.

Wasser im israelisch- palästinensischen Konflikt

Zu biblischen Zeiten, wie auch heute, bedeutete Wasser in Jordan Leben. Deswegen wird um Wasser gekämpft. Die Kontrolle über Flüsse und Trinkwasser wird zur Kontrolle über Länder und Menschen. Wer Wasserläufe verändert, muss hier mit Krieg rechnen. Der Friede in Palästina setzt eine gerechte Aufteilung des Wassers voraus. Der See Genezareth wird vom Jordan gespeist. Vor hier aus wird ganz Palästina mit dem lebensspendenden Wasser versorgt. Wasser bedeutet grüne Landschaft und wirtschaftlichen Aufschwung für Israel.

Der See Genezareth ist der Trinkwasserspeicher für das ganze Gebiet. Vor allem an der Küste leben etwa fünf bis zehn Millionen Menschen. Insofern hat der See Tiberias natürlich eine große strategische Bedeutung. Wer diesen See kontrolliert, hat Zugang zu Wasser. Alle anderen, die diesen See nicht kontrollieren, müssen das nehmen, was übrig bleibt. Derzeit verfügen die Israelis über alle Wasserreserven in Palästina. Sie kontrollieren seit 35 Jahren die Quellen des Jordan und das Wasser des See Genezareth.

Mit riesigen Pump-Anlagen wird das Wasser 200 Meter unter dem Meeresspiegel hinauf nach Israel gepumpt. Eine der teuersten Investitionen soll das Überleben und die Zukunft des Staates Israel sichern. Für die Wasser-Versorgung des Gebietes sorgen der See Genezareth und der Jordan, der ins Tote Meer mündet. Durch die Sperre des Abflusses des See Genezareth in den Jordan liegt genügend Trinkwasser vor, das über ein Wasserleitungsnetz in Israel und direkt in die Städte Tel Aviv und Jerusalem verteilt wird. Diese Wasser-Umleitung entzieht damit auch den Nachbarstaaten Syrien und Jordanien dringend benötigtes Wasser.

Ebenso sind die Palästinenser im von den Israelis kontrollierten Westjordanland und im Gaza-Streifen von der Wasserversorgung ausgeschlossen. Das Wasser hat vor allem für die Palästinenser, die in dieser Region wohnen, eine existenzielle Bedeutung. Palästina ist derzeit eine Agrargesellschaft und deshalb auf die Verfügbarkeit von Wasser angewiesen, um Einkommen zu erzielen.

Es ist praktisch eine Lebensgrundlage für den Erwerb und für das Erzielen von Einkommen dort. Doch derzeit haben die Palästinenser eigentlich nur Zugang zu Quellen. Um Zugang zu anderem Wasserquellen zu bekommen, liegen sie in einem ständigen Kleinkrieg mit den Israelis. "Ihr werdet in ein Land ziehen, wo Milch und Honig fließen", wurde den Juden schon in der Bibel verheißen. Heute ist es dort Wirklichkeit, wo das israelische Leitungsnetz hinreicht. Aus dem Wüstenstaat Israel wurden in die ganze Welt Jaffa-Orangen und Obst exportiert. Wo kein Wasser fließt, gedeiht nichts, dort ist Wüste.

Im Westjordanland gibt es nur Grundwasser. Doch den Palästinensern werden Bohrungen nur in beschränktem Ausmaß erlaubt. Für jeden Brunnen brauchen sie eine israelische Genehmigung. Die wenigen vorhandenen Wasserquellen werden dringend für das Trinkwasser benötigt. Von einem Wasserleitungs-System keine Spur. Wasser wird als Machtinstrument gegen die Palästinenser eingesetzt.

Dem Jordan hat man neunzig Prozent des Wassers entzogen. Der Wasserspiegel im Toten Meer ist dadurch um einige Meter gesunken. Anders die Situation im Norden Israels. Die Wasserquellen des See Genezareth sind seine Zuflüsse - allen voran der Jordan. Der obere Jordan hat drei Ursprünge, doch nur einer, der Dan, entspringt in Israel. Der Hazbani fließt aus dem Libanon zu. Und der Banias kommt aus dem syrischen Golan- Gebiet, das seit 1967 von den Israelis militärisch besetzt wird. Die Golan-Höhen sind militärisch von großer Wichtigkeit. Aber strategisch noch wichtiger, weil hier Israel die Wasserquellen des Jordan unter Kontrolle hat. Sogar Baden an den Quellen des Jordan ist möglich.

Der Kampf um das Wasser hat hier eine lange Geschichte. 1966 haben die Syrer versucht, den Banias-Fluss über eine Wassertrasse ins eigene Land abzuleiten. Die Israelis reagierten prompt. Sie schickten Panzer und zerstörten den syrischen Plan. Eine Rückgabe der Golan-Höhen scheitert bis heute an einer Wasser-Regelung. Jedes zukünftige Friedensabkommen zwischen Palästinensern und Israelis setzt eine gerechte Aufteilung der Wassermengen voraus. Aber was ist schon gerecht, wenn derzeit das biblische Wort "Auge um Auge, Zahn um Zahn" gilt.

Unser Gesprächspartner zu diesem Thema war am 23.04.2002 Annette van Edig, Referentin für Wasserfragen im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland ( http://www.bmz.de/).

Wasser in Israel:  http://www.jajz-ed.org.il/100/german/places/Wassertitelseite.html
Mehr Wasser, weniger Konflikte:  http://www.kfw.de/DE/Entwicklungszusammenarbeit/Neuesausde55/Archiv72/VorOrt82/VorOrtinPa51/MehrWasser.jsp
Wasser im israelisch- palästinensischen Konflikt:  http://www.weltpolitik.net/policy-forum/article/372.html
"Wasser für die Wüste":  http://www.3sat.de/nano/cstuecke/08353/index.html
"Brandherd Wasser":  http://www.3sat.de/nano/bstuecke/05382/index.html
"Wassermangel bedroht Milliarden":  http://www.3sat.de/nano/news/17017/index.html
"Wasserkrise":  http://www.3sat.de/nano/news/05389/index.html
"Kostbares Gut Süßwasser":  http://www.3sat.de/nano/astuecke/26614/index.html
"Der Erde droht Wassermangel":  http://www.3sat.de/nano/news/03000/index.html

 http://www.3sat.de/nano/astuecke/32032/index.html
 http://www.3sat.de/specials/33323/index.html

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