WTO- Aktionstage in Fürthby - 28.08.2003 21:00 Abschiebelager Fürth schließen! Weg mit allen (Abschiebe-)Lagern!
Aus dem Aufruf der Vorbereitungsgruppe:
Frühjahr 2002 am Internierungslager in Woomera/Australien ... März 2002 am Abschiebeknast in Bologna ... Ende 2002 am Eurotunnel-Lager in Sangatte/Frankreich ... Februar 2003 im Abschiebeknast Haslar/England ... Januar bis April 2003 im Abschiebeknast Grünau/Berlin ... Mai 2003 im Niemandsland-Lager zwischen irakischer und jordanischer Grenze... ... sind Menschen weltweit im Aufstand: gegen die Zäune, Mauern und Grenzen der Abschiebeknäste, Internierungslager, Abschiebelager, "Ausreisezentren", Flüchtlingslager. Sie hungerstreiken, sitzstreiken, demontieren, demonstrieren, sprühen, rütteln, faxen, sägen, nähen, kleistern, schreien, schreiben, klettern, brennen nieder. Seit September 2002 gibt es in Fürth bei Nürnberg ein neues Abschiebelager für Flüchtlinge, ein sog. Ausreisezentrum. Wir sagen: ein Jahr Abschiebelager Fürth - es reicht! Mit den Aktionstagen vom 11. bis 14. September wollen wir mit Nachdruck fordern: Schließt das Lager in Fürth! Keine neuen Lager! Abschaffung aller (Abschiebe-)Lager! Programm (offen für weitere Vorschläge): * Donnerstag 11.9.: Nachmittags Begrüßung der Flüchtlinge am Zaun des Fürther Abschiebelagers und der benachbarten Gemeinschaftsunterkunft, anschließend gemeinsames Auftaktplenum * Freitag 12. 9.: Vormittags: Kundgebung vor dem Bundesamt für Migration/Nürnberg Mittags: öffentliches Hearing in Fürth zum Widerstand gegen Abschiebelager Nachmittags: Zeit für dezentrale und kreative Aktionen * Samstag, 13. 9.: Großdemonstration zum Gelände des Abschiebelagers Fürth- "Open the borders, close the camp!" Abends Open Air-Konzert vor dem Lager Hinweis: Bei den Aktionstagen wird es eine eigene Frauen-Lesben-Organisierung geben, sowie einen Frauen-Lesben Bereich. Feministische Inhalte und Aktionen werden ein wichtiger Bestandteil sein. Mehr Infos: http://www.ausreisenzentren.de
http://www.abschiebehaft.de
Flüchtlingsaufruf zu den Aktionstagen in Fürth Sie erwarten von uns Lob für die USA, die EU-Regierungen, die WTO, IWF, Weltbank und NATO usw. für den ?Versuch uns von Armut und unserer schlimmen Situation zu retten" - die diese uns auferlegt haben. Als die Menschen aus Afrika, Asien und Lateinamerika zum ersten mal nach Europa kamen, wurden wir als SklavInnen herübergebracht und viele von uns wurden im wahrsten Sinne des Wortes in Menschenzoos gesteckt in denen die EuropäerInnen sich ansehen konnten, wie exotische, wilde Tiere aussahen und sich kleideten. In unseren Heimatländern auf der ganzen Welt starben Millionen unter der kolonialen Expansion und der Ausbeutung unserer Reichtümer und Ressourcen. Zurück blieben die kolonialen Diener und Sklaventreiber, auch bekannt als unsere sogenannten Staatsführer, sodass die kapitalistische Maschinerie weiterlaufen konnte. Die Realität heute ist nicht viel anders. Unsere Länder blieben genauso kolonisiert und ausgebeutet wie zuvor. Man schaut immer noch auf uns herab für das, wer wir sind und wir bekommen nur Respekt, wenn man uns als Folklore betrachtet; man trampelt immer noch auf uns herum, spuck auf uns und schließt uns aus, und wir Flüchtlinge werden in Flüchtlingsheime wie Freienbessingen oder Markersdorf in Thüringen oder Eisenhüttenstadt in Brandenburg gesteckt, die weit entfernt sind von allen Möglichkeiten der Integration in die Gesellschaft. Die Errichtung moderner, brutaler neoliberaler Abschiebe- und Strafverfolgungszentren, wie das Projekt X in Braunschweig und in Bramsche, das Ausreisezentrum in Fürth oder die unzähligen Abschiebeknäste im ganzen Land steht für nichts anderes als für die Schäbigkeit der neokolonialen Macht, die nie in der Lage war, die leeren Schlagworte und Versprechungen von Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie, oder auch nur ?nie wieder!?, zur Realität werden zu lassen. Im Gegenteil, diese missbräuchlich verwendeten und hohlen Bedeutungen haben schon seit langem die Wahrheit der Ungerechtigkeit demaskiert, die sich hinter ihrer angeblichen Hilfsbereitschaft und Gutwilligkeit verbirgt: Terror, Hunger und Unterdrückung! In einem zunehmend rassistischen und repressiven Systems wird die Beschneidung unserer Bewegungsfreiheit durch die Peitsche des Sklaventreibers in Form von rassistischen Polizeikontrollen und Polizeibrutalität auf uns losgelassen. Selbst in unseren eigenen Ländern erhält die Polizei vor Ort finanzielle Unterstützung aus Europa, um den Wunsch der Menschen nach Gerechtigkeit zu kriminalisieren. Falls wir es schaffen, durch die zunehmend rigiden und brutalen Kontrollen der Festung Europa zu kommen, werden wir sofort als Terroristen und Kriminelle angesehen und unsere Abschiebung wird vorbereitet, noch bevor sie überhaupt wissen, wer wir sind. Wenn etwas getan werden muß, um diese inhärente Ungerechtigkeit zu bekämpfen, dann sieht der Europäer/die Europäerin die Flüchtlinge als jemand, dem/der man Hilfe und Mitleid zukommen lassen muß. Jedoch: Wenn der Stiefel der Unterdrückung auf dem Rücken der Mehrheit der Welt tritt, dann ist die helfende Hand nicht mehr wert als eine einfache bedeutungslose Geste, genau wie ihre Schlagworte von Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie. Und es muß klar sein, dass dieser symbolische Stiefel auf unserem Rücken unsere Realität in der heutigen Welt darstellt, in der wenige Länder und eine Handvoll reicher und mächtiger Konzerne und Individuen versuchen, die Reichtümer (menschlich und materiell) des gesamten Planeten zu kontrollieren. Wo immer wir auch sind, wenn wir versuchen, ein besseres Leben zu finden, um unsere Familien zu ernähren, Bildung zu erhalten oder auch nur für unser Recht kämpfen, zu leben, dann werden wir von den Gesellschaften kriminalisiert, eingesperrt und in den Tod geschickt (sei es durch Hunger oder durch Repression), die am meisten von unserer Zerstörung und Not profitieren, welche durch ihre Gier und ihre wirtschaftliche Einflußnahme verursacht wurde. Die bürokratische Maschine der Unterdrückung und Ungerechtigkeit arbeitet endlos weiter, um dafür zu sorgen, dass wir Menschen ohne Gesicht und ohne Rechte bleiben. Wir sollen einfach nur Objekte bleiben, die man anstarrt und über die man redet, so als wären wir noch immer in den Menschen-Zoos, die vor hunderten von Jahren für uns gebaut wurden. Schluss mit den Abschiebungen! Abschiebung ist Menschenrechtsverletzung. Sie ist ein Verbrechen. Die deutschen Behörden müssen zur Verantwortung gezogen werden für die Folgen dieser Abschiebungen und der Abschiebe-Drohungen, die oft zu völliger Verzweiflung und Frustration geführt haben. Sie müssen zur Verantwortung gezogen werden für die Repression und für den Tod von Flüchtlingen und MigrantInnen hier in Deutschland und unmittelbar nach der Abschiebung, sowie für das Einsperren, die Verfolgung, die Folter und den Tod von denen, die abgeschoben wurden. Wenn wir abgeschoben werden, schickt man uns zurück in dieselben Länder, welche zerstört und jeder Zukunft beraubt wurden. Und wie zu Beginn des Kolonialismus werden wir behandelt wie Tiere - nicht wert der westlichen Ideale wie Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie. Wir werden in Käfige (Heime, Ausreisezentren und Abschiebegefängnisse) gesperrt, welche ihnen nicht gut genug für ihre Hunde sind. Sie erwarten von uns, dass wir diese Ungerechtigkeit ohne Beschwerden akzeptieren und dass wir dankbar sind für ihre vorgebliche ?Großmut". Sie erwarten von uns Lob für die USA, die EU-Regierungen, die WTO, IWF, Weltbank und NATO usw. für den ?Versuch uns von Armut und unserer schlimmen Situation zu retten" - die diese uns auferlegt haben. Auch nach so vielen Jahrhunderten kolonialistischer und kapitalistischer Ausbeutung unserer Reichtümer und der Menschen, nach so vielen Massakern, unterdrückerischen Regimes und Folter, kämpfen wir immer noch, sowohl in unseren Heimatländern als auch hier, darum, diese Ungerechtigkeit ein für alle mal umzustürzen! Wir sind immer noch da, wir sind immer noch stark und wir haben immer noch unsere Würde! In Deutschland, Frankreich, Italien, Nigeria, Kolumbien, Palästina, Kamerun, Irak, Peru, Iran, Togo, Sri Lanka und an vielen anderen Plätzen, egal wo wir sind, unser Widerstand- geerbt von so vielen Generationen, die vor uns für unsere Befreiung gekämpft haben und gestorben sind- geht weiter und wird nicht besiegt werden! Wir rufen alle Flüchtlinge, MigrantInnen und fortschrittlichen Menschen dazu auf, zusammen zu kommen, um zu zeigen, dass eine andere Welt möglich ist und dass Solidarität, Gerechtigkeit, Geschwisterlichkeit und Freiheit mehr sind als bedeutungslose Schlagworte sind (anders als die Worte der Mächtigen, die nichts anderes sind, als maskierte Lügen). Ein Finger alleine ist schwach und kann gebrochen werden, aber zusammen bilden sie eine starke Faust des Widerstands! Bewegungsfreiheit jetzt! Schließt alle Abschiebelager und Abschiebeknäste! Wo auch immer es Repression gibt, werden wir da sein! Keine Ungerechtigkeit ist sicher vor unserem Widerstand! Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen in Deutschland, The Voice Refugee Forum http://www.basicrights.de
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