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G8 Evian: Brückenvorfall in Aubonne

by source: aubonne.net - 11.04.2004 16:45

Aufruf zu einem internationalen Anti- Repressionstreffen
vor der Gerichtsverhandlung gegen die AktivistInnen der Aubonne- Brücke
(26.-28 Juni 2004 in Genf)
 

Der Brücken“Fall” von Aubonne
Das Aubonne- Kollektiv wurde gegründet um zwei AktivistInnen zu
unterstützen, deren Kletterseil von der Polizei während einer
Blockadeaktion gegen den G8- Gipfel in Evian, im Sommer 2003 durchtrennt wurde. Einer der Kletterer stürzte 20 Meter in die Tiefe, überlebte den Sturz durch unglaubliches Glück, brach sich aber sein Kreuz, Becken und das linke Fussgelenk. Er ist nach wie vor (fast 1 Jahr dannach) in physio- therapeutischer Behandlung. Die Aktivistin die auf der anderen Seite der Brücke hing, konnte im letzen Moment von der Unterstützungsgruppe die sich auf der Brücke befand gehalten werden nachdem die Polizei das Seil kappte. Sie, sowie andere der U- Gruppe, leiden noch immer unter sogenanntem post- traumatischem Stress.

Während unserer Arbeit als Soli- Gruppe, die v.a. darin bestand den
Brücken”Fall“ öffentlich zu machen und die Betroffenen direkt zu
unterstützen, mussten wir realisieren, dass unsere Kapazitäten (“wir” als Individuen, und “wir” als Bewegung) darin, Betroffene effektiv zu unterstützen sehr begrenzt sind. Dies scheint ein ständiges Problem für alle Gruppen zu sein die Antirepressionsarbeit praktizieren, und ein Grund für die Angst vieler Menschen, die sich dem Risiko gegenüber sehen, früher oder später im Krankenhaus oder Knast zu landen.

Unsere persönliche Erfahrung v.a. mit dem “Fall” von Aubonne, und
auch mit anderen Fällen von Repression haben uns vor Augen geführt, dass der Umgang mit den psychischen Folgen von Repression (Trauma, Depression,
Angstzustände) ebenso wichtig ist wie die politische, finanzielle und
rechtliche Unterstützung, aber in unserer Arbeit leider oft vernachlässigt wird, was enorme Langzeitfolgen für die Beteiligten/Betroffenen nach sich ziehen kann.

Anti- Repressions Treffen
Am 28. Juni findet in Nyon (Südschweiz) die Gerichtsverhandlung gegen die
beiden KlettererInnen und zwei weitere AktivistInnen der Brückenaktion statt.
Sie werden angeklagt wegen “Gefährlichen Eingriffs in den Strassenverkehr”
und, ironischerweise wegen “Gefährdung des Lebens Dritter”. Wir wollen das
Wochende (26./27. Juni) vor der Verhandlung als eine Möglichkeit nutzen,
Menschen und Gruppen in Genf zusammenzubringen, um Möglichkeiten und Ideen für den Aufbau eines effektiven Antirepressionsnetzwerks in Europa zu diskutieren, mit einem zentralen Fokus auf dem Umgang mit den psychischen Folgen von Repression.

Wir rechnen mit der Teilnahme einer Vielzahl von Leuten aus verschiedenen
Teilen Europas. Diese Einladung wird verschickt an Gruppen und Organisationen welche bereits aktiv sind oder sein wollen, aktive Antirepressionsarbeit in verschiedenen Bereichen zu praktizieren, wie z.B. Soli- Netzwerke, Menschenrechtsorganisationen, Knast- Solidarität, FlüchtlingsunterstützerInnen- Gruppen etc. Das Ziel der Organisation ist ein offenes, vielfältiges und integratives Treffen.

Die Themen auf die wir uns hauptsächlich stürzen werden, sind:

- Ein Erfahrungsaustausch anhand konkreter Beispiele von Repression
wie z.B. Thessaloniki 7, Genua (Opfer der Diaz- Schule), die Götheborg- Gefangenen etc., um Erfahrungen aus 1. Hand miteinander zu vergleichen und dadurch zu ermitteln welche Strategien erfolgreich waren und inwiefern ein Mangel an Infrastruktur, Fähigkeiten und Ressourcen besteht.
- Wie eine funktionierende internationale Koordinierung möglich
sein könnte um effektiver der Repression bzw. der Immunität der Polizei zu begegnen und der Frage nachzugehen, wie eine präventive Antirepressionsarbeit aussehen könnte/sollte.
- Als eines der Hauptthemen die Annährung an die psychischen
Aspekte und Folgen sowie Techniken der persönlichen Unterstützung und des “Auffangens” von Betroffenen: Wir erachten diesen Themenkomplex deshalb als so wichtig, da er oftmals übersehen bzw. nicht angegangen wird, so dass viele Menschen dann letztenendes doch alleine mit ihren Problemen dastehen. Wir werden einen gewichtigen Teil des Wochenendes für dieses Thema reservieren um zusammen mit Trauma- “BeraterInnen” (trauma counsellors) nach Möglichkeiten zu suchen “mental health support groups” ins Leben zu rufen.

Wenn du dir vorstellen kannst ein Workshop/ Vorstellung/ Video/ Diskussionsrunde mit Bezug auf das Thema “Antirepression” anzubieten, kontaktiere uns bitte, so dass wir das im Program mit aufnehmen können. Genauso sind alle dazu aufgerufen, interssierte Leute die ihr kennt auf das Treffen aufmerksam zu machen bzw. uns deren Kontakt weiterzugeben. Es werden Leute kommen um die “bekannten Fälle” der jüngeren Repressionsgeschichte (Genoa, Thessaloniki etc.) vorzustellen, was aber keinesfalls heisst, dass “weniger bekannte Fälle” keine Beachtung finden werden. Wenn du also gerne von einem Beispiel berichten würdest, das keine weltweite Beachtung gefunden hat, ist das auf jeden Fall okay.

Gerichtsverhandlung
Am Montag direkt nach dem Wochenende wollen wir alle dazu aufrufen sich an
einer symbolischen, gewaltfreien Aktion während der Gerichtsverhandlung vor dem Gerichtsgebäude in Nyon (Nahe Genf) zu beteiligen. Die Verhandlung
beginnt um 9:00 Uhr und wird voraussichtlich um ca.14:00 Uhr abgeschlossen sein. Wir sehen den Verhandlungstag als eine der wenigen Möglichkeiten die uns bleibt, den Aubonne”Fall” an die breite Öffentlichkeit zu tragen und effektiv die Immunität der Polizei und die u.a. daraus resultierende Ungerechtigkeit anzugehen.

Mehr Details
Das Treffen beginnt am Samstag den 26. Juni morgends und dauert bis zum
Sonntag den 27. abends. Es findet statt in einem Sozialzentrum in Genf, das L’usine heisst (Infos zur Anfahrt und Stadtplan etc. werden sich bald
finden auf der website  http://www.aubonnebridge.net . Die Gerichtsverhandlung ist am Montag, den 28. Juni um 9:00 Uhr morgends in Nyon, 15-30 Minuten entfernt von Genf.

Die Idee des Treffens ist die eines koordinierten Arbeits- Wochenendes, es
ist kein Festival.

Für Pennplätze und Essen wird gesorgt sein (vergesst nicht Schlafsack und
Isomatte). Da wir das Ganze als ein selbstorganisiertes Treffen verstehen,
erwarten wir von allen Eigeninitiative zu zeigen bei Aufgaben wie Kochen,
Putzen usw. Videorekorder- und Projektor sind am Start. Wir werden um eine niedrige finanzielle Beteiligung der Teilnehmenden beten. Wir können leider keine Reisekostenerstattung anbieten. Bitte bestätige deine/eure Teilnahme im Voraus, so dass wir kalkulieren können (wichtig !) und schreib/t 2-3 Sätze über dein/euer Interesse zu kommen. Da unsere Kapazitäten auf ca. 100 Personen beschränkt sind, werden wir möglicherweise ab einem bestimmten Punkt keine weiteren Leute mehr akzeptieren können.

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