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Gorz: Arbeit zwischen Misere und Utopie

by Quelle: Perlentaucher - 30.04.2005 22:58


Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1999
ISBN 3518410172,
Taschenbuch, 208 Seiten 

2 Rezensionen:  http://www.perlentaucher.de/buch/622.html

Wie kann man Arbeit neu bewerten?

Rezensionen - Frankfurter Rundschau vom 20.05.2000

André Gorz, einer der letzten verbliebenen Theoretiker der alten Linken, fordert in seinem Buch mit aller Entschiedenheit den Auszug aus der Arbeitsgesellschaft. Rezensent Hermann Kocyba hingegen fällt es schwer, sich für eine klare Einschätzung von Gorz Thesen zu entscheiden. Er diagnostiziert eine Radikalisierung in Gorz Entwicklung: in den 60er Jahren schien diesem Autonomiegewinnung des Einzelnen innerhalb der Arbeitsgesellschaft noch möglich, heute sieht er im Entstehen einer neuen Dienstbotengesellschaft die Unmöglichkeit zu autonomer, kreativer Tätigkeit. Kocyba kritisiert einerseits eine reduktionistische Auffassung von Soziologie bei Gorz, lobt ihn aber andererseits für den Mut, im Zeitalter einer sich in bloßen Standortdebatten erschöpfenden Kritik die kapitalistische Arbeitsgesellschaft radikal in Frage zu stellen.

Rezensionen - Süddeutsche Zeitung vom 21.02.2000

Rolf Lamprecht erkennt Gorz` Versuch an, zum Nachdenken über andere "mögliche Welten" anzuregen. Allerdings verhehlt er nicht, dass er Gorz` Ideen zu einer Neubewertung von Arbeit für sehr weltfremd hält. Er kritisiert, dass Gorz seine Vorstellungen von einer Arbeitswelt an einem Idealtyp von Menschen orientiert, der sich trotz monatlichen Grundeinkommens in der Gesellschaft engagiert und der keinen finanziellen Anreiz nötig hat, sich zu motivieren. Das kann der Autor zwar nachvollziehen, wenn es um Tätigkeiten geht, für die sich immer jemand findet, der Spass daran hat. Bei der Müllabfuhr sehe das schon anders aus. Grundsätzlich hält es Lamprecht jedoch für überaus sinnvoll, sich - gerade angesichts der aktuellen Veränderungen in der Arbeitswelt - Gedanken über die Bewertung von Erwerbstätigkeit und "eigentlicher" Tätigkeit (wie zum Beispiel, der nicht bezahlten Arbeit, Kinder zu erziehen) zu machen.


Andre Gorz:  http://coforum.de/index.php4?Andr%E9_Gorz


André Gorz über Ökonux

Jenseits von Arbeit, Ware und Wert

An der Ausrichtung und Aktivität eures Kreises (Oekonux, Anm. Red.) begeistert mich ganz besonders, dass es keinen Unterschied gibt zwischen eurem Ziel und eurer Praxis. Die gesellschaftlichen Beziehungen, die ihr miteinander pflegt, scheinen frei zu sein von den vorherrschenden Formen von Machtwillen, Besserwisserei, Eitelkeit. Mit einigen von euch habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Freude und Lust zum Geben und Annehmen ansteckend und befreiend wirken. Ihr seid die Gruppierung, der zuzugehören ich wirklich Lust hätte. Leider bin ich ein alter klapperiger Mann, der sich nur aus der Ferne für euer Unterfangen begeistern kann.

Dieses Unterfangen hat in meinen Augen folgende Bedeutung: Leute, deren Kompetenzen das Kapital absolut braucht, erbringen auf höchstem technischen Niveau den Beweis, dass die für die Produktion von Wissen adäquateste und effektivste Produktionsweise den kapitalistischen Produktionsverhältnissen in allen Punkten widerspricht. Sie zeigt die praktischen Vorteile gesellschaftlicher Verhältnisse jenseits von Arbeit, Ware und Wert; die praktisch erfahrbare Möglichkeit derartiger Verhältnisse; die unerträgliche Beschränkung, die der Verwertungszwang der Entfaltung des menschlichen Potentials aufzwingt; und schliesslich die Möglichkeit, die kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse auf einem für den Kapitalismus strategisch wichtigen Gebiet zu stören und zu destabilisieren.

Die Frage stellt sich hier ganz konkret: Wie lassen sich die Prinzipien einer freien Produktionsweise praktisch auf andere oder gar sämtliche gesellschaftlichen Tätigkeitsbereiche ausdehnen? In einer Zeit grösster Krisenanfälligkeit ist die Frage von besonderer Bedeutung. Die Keime einer Antwort könnten in "argentinischen" Umständen in relativ kurzer Zeit Wurzeln schlagen.

April 2004:  http://www.oekonux.de/liste/archive/msg08130.html


...dass eine Software, deren Quellcode offen liegt und frei kopierbar ist - die, anders gesagt, „nicht in Warenform" auftritt -, so viel Erfolg hat und so breite Aufmerksamkeit findet, ruft die GesellschaftstheoretikerInnen auf den Plan. Einige von ihnen vertreten die These, dass sich darin eine «andere Ökonomie» jenseits des Kapitalismus abzeichne, so etwa André Gorz kürzlich in einem Interview in der WoZ (siehe Interview in WoZ Nr. 26/2003).




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