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Selbstorganisation, gemeins. Selbstversorgung
by Quelle: contraste.org - 31.05.2005 16:15
Wir planen nach fast drei Jahren fuer den
21. - 23. Oktober 2005
in Zusammenarbeit mit der Stiftung Fraueninitiative, Koeln, einen zweiten
internationalen workshop zum Thema:
Prozesse der Selbstorganisation - gemeinsame Selbstversorgung.
Aus CONTRASTE Nr. 247 (April 2005)
AUFRUF ZUR MITARBEIT
Call for Papers
Der Fokus unserer Tagung sind selbstbestimmte und gemeinsam im lokalen Umfeld gestaltete Lebenstaetigkeiten, jenseits der Warenwelt und ihren Vermarktungsgesetzen. Unser Begriff von Selbstversorgung geht also ueber essen, trinken, sich kleiden und wohnen deutlich hinaus.
Der Erfahrungsaustausch zwischen Theoretiker/innen und Praktiker/innen hat sich als fruchtbar erwiesen. Wir moechten diese Form des kreativen Austauschs fortsetzen, der uns eine Selbstverstaendigung ueber das angewachsene Wissen aus Forschung und Praxis grenzueberschreitend ermoeglicht und eine Vernetzung als einen Prozess gegenseitiger Foerderung anregt.
Das Sprechen und Schreiben ueber Selbstorganisation, Selbsthilfe und Selbstversorgung ist ein umstrittenes Terrain. Oftmals bleibt unklar, welchen gesellschaftlichen Verhaeltnissen das "Selbst..." in den Begriffen zugeordnet wird. Der neoliberale Diskurs zur "Zukunft des Staedtischen" folgt der umfassenden Vermarktung moeglichst aller Lebenstaetigkeiten. Zur Zeit erleben wir eine hoechst widerspruechliche Entwicklung: Einerseits totalisiert sich die Warenwelt und andererseits zieht sich die Warenproduktion aus fuer sie unrentablen Bereichen zurueck, was in einer spuerbaren Segmentierung der Stadt und in Schrumpfungs- und Verfallsprozessen sichtbar wird. Diese Prozesse brauchen den Einzelnen als isolierten homo oeconomicus.
Die hieraus entstehenden zerstoererischen Impulse erfordern die Neubestimmung des Verhaeltnisses von globalisierter Warenwelt und lokaler Gebrauchssphaere und machen eine andere Sicht auf die "Zukunft des Staedtischen" notwendig. Die Prekarisierung der Lebensverhaeltnisse zwingt
viele Menschen unfreiwillig zu einem staerker gebrauchsfoermigen Modus der Existenzsicherung.
Gleichzeitig eroeffnet der Verfall der alten Ordnung aber auch neue Handlungsspielraeume in der Alltagskultur fuer selbstbestimmte gemeinsame Selbstversorgung.
Alternative Formen des Gesellschaftlichen beziehen sich auf Strategien gemeinschaftlicher Gestaltung von Lebenstaetigkeiten in freien Kooperationen, orientiert an den Beduerfnissen z.B. des neuen homo reciprocans (Falk, Armin 2001).
In dem hier skizzierten Kontext suchen wir nach theoretischen Zugaengen und kritisch reflektierten praktischen Erfahrungen.
Beispiele fuer Themenfelder:
* gemeinsame Lebenstaetigkeiten in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Kontexten (Formen sozialer Organisation, Zeit- und Arbeitsorganisation, Einbettung in soziale und kulturelle Kontexte, Ausgrenzung aus bzw. Einbindung in die Warenproduktion, gemeinsame Verfuegungsmacht und demokratische Entscheidungsfindung, Konfliktbearbeitung);
* Austausch als Geben und Nehmen (Massstaebe fuer den Austausch, soziale Bindung versus Autonomie, das "Wertfuehlen" beim Geldtausch und beim gebrauchsfoermigem Geben und Nehmen);
* die Stadt als Handlungsrahmen fuer selbstbestimmte gemeinsame Lebenstaetigkeiten (raeumliche Organisation, Mobilitaet/Transport, Infrastruktur und Ausstattung, Kodifizierung durch Nutzungsrechte);
* der doppelte Arbeitstag: Notwendige Erwerbsarbeit versus Strategien zur Ausdehnung einer selbstbestimmten Existenzsicherung und fuer mehr Unabhaengigkeit vom Markt. Selbstversorgung als Weg zu veraenderter Lebensqualitaet oder als Stabilisierung der dominanten Verhaeltnisse.
Abschliessend gibt es ein Rundgespraech zur politischen Einschaetzung des Themas "Gemeinsame Selbstversorgung - Illusion oder Perspektive".
Wir werden ein Kreis von ca. 25 eingeladenen engagierten ExpertInnen.
Mit herzlichen Gruessen, Die Veranstalterinnen
Dr. Carola Moeller, Koeln / Dr. Ulla Peters, Universitaet Luxemburg / Dipl.Ing. Irina Vellay, Dortmund
E-mail: taking.place at gmx.de