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Globaler Protest 1994-2004
by - 30.11.2005 13:05
Einige ausgewählte Protestereignisse 1994-2004
1994
Januar, Mexiko
Parallel zum Inkrafttreten des Freihandelsabkommens zwischen Kanada, den USA und Mexiko besetzt die Zapatistische Befreiungsarmee (EZLN) am Neujahrstag mehrere Städte in Chiapas (im Süden Mexikos) und fordert Land und Freiheit, mehr Rechte und Autonomie für die indigene Bevölkerung, eine Abkehr von der neoliberalen Wirtschaftspolitik und den Rücktritt der Regierung.
Oktober, Spanien
Tagung zum 50. Geburtstag von IWF (Internationaler Währungsfonds) und Weltbank in Madrid, Gegenveranstaltung unter dem Motto "50 Jahre sind genug".
1995
Dezember, Frankreich
Mehrwöchiger Generalstreik gegen die neoliberalen Reformen. Zugleich: Bewegung der Sans Papiers: Illegalisierte MigrantInnen und UnterstützerInnen besetzen Kirchen und demonstrieren für Legalisierung
1996
Februar, Mexiko
Bei den Verhandlungen von San Andres wird ein erstes Abkommen über indigene Rechte und Kultur unterzeichnet. Eine zweite Verhandlungsrunde im August scheitert, da das Abkommen von der Regierung nicht umgesetzt wurde.
Juni, Berlin
Erstes europäisches Treffen gegen den Neoliberalismus und für die Menschlichkeit
Juli/ August, Mexiko
Erstes Intergalaktisches Treffen gegen den Neoliberalismus und für die Menschlichkeit auf Einladung der EZLN in Chiapas: 3000 TeilnehmerInnen aus über 100 Staaten
1997
März, Westeuropa
Renault-ArbeiterInnen aus Frankreich, Deutschland und Belgien streiken und demonstrieren gemeinsam für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze
April, OECD-Länder
Verhandlungen zum Multilateralen Abkommen über Investitionen (MAI) in den Industrieländern im Rahmen der OECD werden durch eine gezielte Indiskretion öffentlich. Bis September 1998 kommt es zu einer Vielzahl von Veranstaltungen, Publikationen und Aktionen gegen diese Verhandlungen. Das MAI scheitert vor allem am öffentlichen Druck.
Juni, Niederland
EU-Gipfel in Amsterdam
Juli/ August, Spanien
Zweites intergalaktisches Treffen. Nach dem Abschlussplenum wird mit Peoples’ Global Action ein globaler Zusammenschluß von Basisorganisationen geplant.
Dezember, Mexiko
Massaker von Acteal, Chiapas: 45 Menschen werden von Paramilitärs ermordet
1998
Februar, Schweiz
Gründung von Peoples' Global Action in Genf bei einem Treffen mit AktivistInnen von Basisorganisationen aus allen fünf Kontinenten.
Mai, Schweiz
Erste Ministerialkonferenz der WTO in Genf, begleitet von massiven Protesten, einem Gegengipfel und einem globalen Aktionstag mit gleichzeitigen Aktionen in zahlreichen Ländern.
Juni, Großbritannien
70000 Leute bilden eine Menschenkette beim G7 in Birmingham für die Entschuldung der Länder des Südens.
Bis September, BRD
Bis zur Wahl im September finden in Deutschland monatlich dezentrale Erwerbslosenproteste statt, die schließlich in die verkürzte Formel "Kohl muss weg" umgeleitet werden.
1999
Februar, Mexiko
Beginn des einjährigen Streiks an der UNAM in Mexiko City gegen den neoliberalen Bildungsumbau, dessen basisdemokratische Organisierungsmethoden Beachtung finden
Mai/ Juni, Westeuropa
Interkontinentale Karawane: 500 Menschen von Basisbewegungen aus Indien und anderen Ländern des Südens demonstrieren gemeinsam mit Menschen aus Europa auf einer Bustour durch verschiedene Städte gegen Freihandel, Gentechnik und Militarismus.
Mai/ Juni, BRD
50000 protestieren gegen den EU-Gipfel in Köln, kurz danach Demonstration gegen den G7-Gipfel in Köln.
Juni, vielerorts
18. Juni: Globaler Aktionstag von PGA in Bank- und Finanzzentren, insbesondere in London, parallel zum G7-Gipfel. Die Kampagne Erlassjahr 2000 veranstaltet am Tag danach an vielen Orten Menschenketten für die Entschuldung der Länder des Südens.
August, Frankreich
Die BäuerInnengewerkschaft Confederation Paysanne demontiert symbolisch eine im Bau befindliche McDonalds- Filiale in Millau als Antwort auf die Erhöhung von Zöllen für bestimmte landwirtschaftliche Produkte durch die USA.
November, Dezember
"Battle of Seattle" anlässlich der Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO). 50000 verhindern mit Blockaden den rechtzeitigen Beginn der WTO-Tagung. Dabei kommt es zu Bündnissen z.B. zwischen GewerkschafterInnen und UmweltschützerInnen, indymedia.org geht an den Start, Seattles Bürgermeister verhängt den Notstand, die WTO-Konferenz scheitert. Zugleich globaler Aktionstag in 70 Städten weltweit.
2000
Januar / Italien
Gefolgt von einer Demo von 10 000 Menschen durchbrechen die Tute Bianche eine Polizeikette und erzwingen einer Delegation Zugang zum Abschiebeknast in der Mailänder Via Corelli. Selbiger wird kurz darauf geschlossen.
Januar / Februar / Schweiz
1000 Menschen protestieren gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos
Februar / Thailand
Tausend Menschen demonstrieren anlässlich einer UN-Handelskonferenz
März / Global
Beginn des Weltfrauenmarschs (bis 17 Oktober)
April / USA
20 000 Menschen demonstrieren gegen das Treffen von IWF und Weltbank in Washington D.C
Mai / Europa
Pierre Bourdieu und das Netzwerk raison d'agir veröffentlichen die Charta 2000, die z. Bildung v. Generalständen d. sozialen Bewegungen in Europa aufruft.
Mai / Global
PGA organisiert einen Global Action Day
Juni / BRD
Proteste gegen die Eröffnung der EXPO in Hannover
Juni / Frankreich
Prozess gegen Jose Bove (Confederation Paysanne) wegen der symbolischen Demontage einer McDonalds Filiale 1999. 100 000 demonstrieren in Millau.
Juli / Japan
Demonstration gegen den G8 in Okinawa; 27 000 Menschen umringen am Tag zuvor mit einer Menschenkette eine US-Militärbasis.
September / Australien
In Melbourne demonstrieren 10 000 Menschen gegen ein WEF-Nachtreffen.
September / Tschechien
Amlässlich der Tagung von IWF und Weltbank protestieren 15 000 Menschen in Prag.
Dezember / Frankreich
100 000 Menschen aus Bewegungen und Gewerkschaften protestieren gegen den EU-Gipfel in Nizza
2001
Januar / Schweiz
WEF in Davos: Gegengipfel und Proteste, die sich aufgrund der Repression teilweise nach Genf verlagern.
Januar / Brasilien
1. Weltsozialforum (WSF) in Port Alegre als Gegenpol zum WEF und als Raum des Austauschs und der Debatte unabhängig von Gipfeln. 17 000 TeilnehmerInnen.
Februar, März / Mexiko
Der "zapatistische Marsch für die indigene Würde" zieht in zwei Wochen von Chiapas nach Mexiko City, wobei die EZLN-Delegation unterwegs zahlreiche von Tausenden besuchte Kundgebungen durchführte, in Mexiko City kommen 200 000 zur zentralen Kundgebung.
März / Mexiko
Brutaler Polizeieinsatz gegen Proteste anlässlich einer WEF-Regionalkonferenz in Cancun.
März / BRD
Start von indymedia.de anlässlich des Castortransportes ins Wendland.
März / Italien
Über 20 000 Menschen demonstrieren gegen das Global-Forum, einer Konferenz aus Regierungs- und Industrieführern in Neapel. Als sie eine Absperrung überwinden, werden sie brutal von der Polizei attakiert, eine Straßenschlacht folgte.
April / Algerien
Beginn des Aufstandes in der Kabylei für mehr soziale und politische Rechte.
April / Argentinien
Gegen das MinisterInnentreffen zur geplanten amerikanischen Freihandelszone (FTAA) Demo in Buenos Aires mit mehr als 10 000 Menschen und Generalstreik.
April / Kanada
Gegen die Verhandlungen zur FTAA protestieren in Quebec 30 000 Menschen.
April / USA
Demonstrationen gegen die Tagung von Weltbank und IWF in Washington D.C.
Mai / Honolulu
1500 Menschen demonstrieren gegen das Treffen der Asian Development Bank.
Jun / Schweden
Bei den Demonstrationen gegen den EU-Gipfel in Göteborg wird in Europa erstmals scharf auf die Bewegung geschossen: 3 DemonstrantInnen, 1 Journalist und 1 Passant werden durch Schüsse der Polizei verletzt. Repressionen auch auf dem juristischem Weg: In politischen Prozessen werden AktivistInnen zu ungewöhnlich hohen Strafen verurteilt.
Juli / Österreich
5 000 Menschen demonstrieren in Salzburg gegen eine WEF-Tagung zum Them Osteuropa.
Juli / Italien
Licht und Schatten bei den Demonstrationen gegen die G8 in Genua: mit 300 000 Menschen die bisher größte Demonstration, direkte Demokratie und Krativität. Allerdings werden bei staatsterroristischen Attacken zahlreichen Menschen zum Teil schwer verletzt, Carlo Giuliani ermordet. Beim Überfall auf die Diaz-Schule prügeln Spezialeinheiten auf schlafende AktivistInnen ein, die verhafteten werden teilweise gefoltert. In der Folgezeit weltweit zahlreiche Proteste gegen die Repression und für die Freilassung der Verhafteten.
November / Katar
Die dritte Ministerialkonferenz der WTO findet um Proteste fernzuhalten in der Golfmonarchie Katar statt – weltweite dezentrale Proteste: 5 000 demonstrieren in Genf, 8 000 in Paris.
Dezember / Belgien
100 000 auf der Demo des Europäischen Gewerkschaftsbundes, 30 000 demonstrieren am nächsten Tag gegen den EU-Gipfel in Brüssel; der Aufruf zu einem ersten europäischen SchülerInnen und Studierendenstreik erfährt unterschiedliche Resonanzen: Demonstrationen, aktionstage und Streiks finden statt. In Spanien wurde bereits zuvor ein Großteil der Unis bestreikt, Hunderttausende demonstrierten. Die streikenden organisierten sich basisdemokratisch.
Dezember / Argentinien
Beginn des Aufstands. In wenigen Wochen werden unter der Losung "Que se vayan todos!" (Alle sollen gehen) mehrere Regierungen verjagt. Zugleich setzt eine breite Selbstorganisation an der Basis ein. Nachbarschaftsversammlungen werden einberufen, MittelständlerInnen verbünden sich mit Arbeitslosen, Fabriken werden besetzt, Tauschringe gegründet. Weite Teile der Bewegung verweigern sich repräsentativen Politiken.
2002
Januar / Brasilien
Zweites WSF in Porto-Alegro mit bis zu 70 000 TeilnehmerInnen, 5 000 Organisationen aus 131 Ländern; Beschluss, kontinentale und lokale Sozilalforen zu gründen.
Januar / USA
WEF in New York, ca. 10 000 DemonstrantInnen.
Januar / Argentinien
20 000 Piqueteros marschieren auf Buenos Aires.
Februar / BRD
Internationale Demonstration gegen die Nato-Sicherheitskonferenz in Münschen, die Stadt verhängt ein Demonstrationsverbot.
In Tübingen/Reutlingen wird das erste deutsche Sozialforum gegründet: 200 Menschen nehmen teil.
März / Spanien
500 000 Menschen demonstrieren in Barcelona gegen den EU-Gipfel, die bis dato größte Manifestation der Bewegung ist bunt, kreativ und radikal.
März / Italien
Gegen die Aufweichung des Kündigungsschutzes demonstrieren in Rom 3 Millionen Menschen, hauptsächlich GewerkschafterInnen, der No Global-Block zählt immerhin 200 000 Menschen.
März / Australien
2000 Menschen stürmen das in der Wüste gelegene Flüchtlingslager Woomera, dabei werden 50 Flüchtlinge befreit.
Mai / BRD
Gegen den Besuch von George W. Bush gehen in Berlin mehrfach Zehntausende auf die Straße: GlobalisierungkritikerInnen, Friedensbewegte und Linke.
Juni / Spanien
Trotz totalem Versammlungsverbot demonstrieren 100 000 gegen den EU-Gipfel in Sevilla, einen Tag vorher legte ein Generalstreik die Stadt lahm.
Juli / Nigeria
2 000 Frauen zwingen mit einem Nacktprotest und der tagelangen Besetzung ein Ölplattform Chevron-Texaco zu Zusagen, die Lebenssituation der Menschen im verarmten Nigerdelta zu verbessern.
November / Italien
Generalstreik in Italien. 60 000 Menschen nehmen am ersten Europäischen Sozialforum (ESF) teil, das in einer überwältigenden Stimmung in Florenz stattfindet. Eine Millionen demonstriert zum Anschluß gegn den drohenden Irak-Krieg, Neoliberalismus und Rassismus.
Januar / Brasilien
WSF 3 in Porto Allegre: 100 000 Teilnehmerinnen aus 156 Ländern tummeln sich in rund 1500 Workshops und demonstrieren u.a. gegen den drohenden Irak-Krieg und die FTAA.
Februar / BRD
Demonstrationen in München: DGB und SPD protestieren gegen die US-Invasion im Irak, deutlich mehr Menschen demonstrieren im Anschluss daran gegen die Nato-Sicherheitskonferenz und schließen dabei ausdrücklich militärische Ambitionen der EU in ihre Kritik ein.
Februar / Global
Weltweit demonstrieren mehrere Millionen Menschen gegen den Irak-Krieg, im Rahmen eines auf der Versammlung der sozialen Bewegungen im Anschluss an das ESF beschlossenen Aktionstags; in den Wochen davor und danach kommt es weltweit immer wieder zu Großdemonstrationen, Streiks und Blockadereaktionen.
Mai, Juni / Frankreich
Streikbewegung gegen die Reformen im Renten- und Gesundheitswesen; im Sommer streiken die prekär beschäftigten KulturarbeiterInnen (Intermittents du spectacle) und verhindern mehrere bedeutende Kulturereignisse.
Mai / Peru
Gegen den "Rio Gipfel" von 19 Präsidenten lateinamerikanischer Staaten finden wochenlang teils militante Protestaktionen statt, zwei Millionen treten in den Streik; Präsident Toledo verhängt den Ausnahmezustand, mindestens 4 Menschen werden getötet.
Juni Schweiz / Frankreich
G8 in Evian; Demonstrationen, Gegengipfel und alternative Dörfer in Annemasse und Genf.
Juni / Griechenland
Demos gegen den EU-Gipfel in Thessaloniki (letzter Gipfel im Land der Ratspräsidentschaft).
Juli, August / BRD
Am Jahrestag der Ermordung Carlo Giulianis protestieren in Berlin mehrere hundert Menschen gegen Repression. Grenzkamp in Köln; nach mehreren Tagen Debatte und Aktionen beendet die Polizei das Camp vorzeitig durch Einkesselung; weiterhin finden im Sommer Grenzcamps in Spanien/ Marokko und Italien statt, dort werden 11 Flüchtlinge befreit.
August / Frankreich
300 000 Menschen versammeln sich auf dem Hochplateau Larzac, protestieren diskutieren und feiern.
September / Italien
EU-AußenministerInnen-Treffen in Riva del Garda zur Europäischen Verteidigungspolitik: Hunderte blockieren Strassen und demonstrieren, das Treffen kann nur mit Verspätung beginnen.
September / Mexico
Proteste gegen den WTO-Gipfel in Cancùn. Bäuerinnen und AktivistInnen demontierten symbolisch die Absperrungen, ein südkoreanischer Bauer opfert sich aus Protest öffentlich mit einem Schild "WTO kills!", die Konferenz scheitert.
Oktober / Bolivien
Regierungspläne zum ausverkauf der Gasreserven führen zu einem Aufstand der Indigenas: Bei Strassenblockaden werden mehrere Menschen vom Militär getötet; schließlich wird der Präsident zum Rücktritt gezwungen.
Oktober / Italien
EU-Regierungskonferenz zur Beratung über den Verfassungsentwurf; Demo für ein anderes Europa.
November / BRD
In Berlin finden sich 100 000 zu einer von Basisorganisationen organisierten Demonstration gegen den Umbau des Sozialstaats zusammen.
November / Frankreich
Zweites ESF in Paris: 50 000 TeilnehmerInnen, mehrere 100 000 auf der Abschlussdemo.
November, Dezember / BRD
In Hessen, Berlin und Bayern streiken u. demonstrieren Studierende, teils begleitet v. direkten Aktionen gegen den Umbau des Bildungswesens, die Bewegung ist sehr heterogen: neben neoliberalen Positionen werden aber auch Verbindungen zwischen Bildungs- und Sozialabbau gezogen.
Dezember / Italien
Über eine Millionen Menschen demonstrieren in Rom gegen die Rentenreform.
2004
Januar / Indien
Das WSF findet zum vierten Mal in Asien (Mumbai) statt.
2005
Juli und Oktober / Schweiz
Proteste gegen die WTO in Genf
November / Argentinien
Buenos Aires: Proteste gegen FTAA
USA: Proteste gegen die School of Americas
Stark gekürzt und bearbeitet aus: Kleine Anfrage, Berlin, Frühjahr 2004