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Gentechnik in der Landwirtschaft: moerderisch

by Quelle: zmag, jW - 09.10.2006 17:58


Erste Langzeitstudie über den Anbau gentechnisch veränderter Baumwollsorten widerlegt die Heils- und Wohlstandsversprechungen der Saatgut-Multis
 


Mörderischer Fortschritt
01.09.2006

Auf seiner Webseite brüstet sich der agroindustrielle Konzern Monsanto mit der Behauptung, daß die »erwünschte Akzeptanz« von biotechnologisch entwickelten Pflanzenarten inzwischen erreicht sei. Des weiteren werden die vermeintlichen Vorteile des entsprechenden Saatguts für die Landwirte gepriesen: »höhere Ernteerträge, Potential zur Verringerung des Chemieeinsatzes, Übergangsmöglichkeit auf eine umweltfreundlichere Landnutzung und Einsparungen von Zeit und Geld«. Es gehört zur Strategie des Konzerns, keine grundlegenden Zweifel am Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) aufkommen zu lassen. Dazu wird eine Doppelstrategie in der Werbung gefahren, einerseits mit »grünen« Argumenten (»Biotechnologie wird eine Welt ohne Pestizide schaffen«) und andererseits mit »sozialen« (»wir müssen Gentechnik akzeptieren, um die Ernten zu erhöhen, die Kosten zu reduzieren und die Lebenssituation der Bauern zu verbessern«).

Pestizideinsatz steigt

Die Realität in einigen Anbaugebieten von GVO widerlegt diese Art von Beweisführung in drastischer Weise. Eine neue Studie der Cornell-Universität in den USA, die erste, die längerfristige ökonomische Folgen des Anbaus von gentechnisch veränderter Baumwolle untersucht hat, kommt zu dem Ergebnis, daß die chinesischen Bauern, die zu den Pionieren des Anbaus von Bt-Baumwolle gehören, inzwischen eine bittere Lektion verdauen müssen. Das von Monsanto entwickelte Saatgut dieser Baumwollsorte enthät ein Gen des Bacillus thuringiensis, der tödliche Toxine gegen den Baumwoll- und Maiswurm produziert. 35 Prozent der weltweiten Baumwollernte werden inzwischen von Bt-Sorten eingebracht. Allein in China werden diese von fünf Millionen Landwirten angebaut. Auch in den USA, Indien, Argentinien, Mexiko und Südafrika ist Bt-Baumwolle weit verbreitet.

Die Studie, die über 481 chinesische Farmen aus den fünf wichtigsten Anbaugebieten Chinas erfaßt hat, zeigt auf, daß nach sieben Jahren Anbau bis zu 20mal pro Saison Insektizide gesprüht werden mußten, um mit sekundären Schädlingen fertig zu werden. Die ökonomische Folge war, daß die Ernteerlöse letztendlich acht Prozent unter denen lagen, die auf Farmen mit konventioneller Baumwolle erzielt wurden. Dazu kommt, daß Bt-Baumwollsamen das Dreifache des Preises von konventionellem Saatgut kosten.

Noch dramatischer stellt sich die Situation in Teilen Indiens dar. Zwar konnte der Befall der Plantagen durch Baumwollwürmer mit dem Anbau von Bt-Pflanzen »erfolgreich« gestoppt werden, dafür werden die Felder inzwischen großflächig von neuen, bisher unbekanten Schädlingen heimgesucht, die die Namen »Lalya« und »Reddening« erhalten haben. Etwa 60 Prozent der Bauern in Maharashtra konnten die Anbaukosten bei ihrer ersten Ernte von genetisch veränderter Baumwolle nicht erwirtschaften. Indische Landwirte müssen beim Anbau von Bt-Baumwolle pro Acre (etwa 4000 Quadratmeter) 136,26 US-Dollar aufwenden, im Vergleich zu 11,60 Dollar beim Anbau konventioneller Baumwollsorten. Makabre Folge dieser Fehlinvestition: Zwischen Juni 2005 und August 2006 haben etwa 700 Kleinbauern aus Vidarbha, im Bundesstaat Maharastra Selbstmord begangen, weil sie keinen Ausweg aus ihrer Verschuldung gesehen haben. Das Desaster mit der Bt-Baumwolle hat dazu geführt, daß das »Komitee für die Genehmigung von Gentechnik« (GEAC) der indischen Zentralregierung den Einsatz von anderen gentechnisch veränderten Pflanzenarten im Staat Andhra Pradesh verboten hat. Der Distrikt Warangal in Andhra Pradesh fordert von Monsanto ferner Wiedergutmachung für die Bauern, die ihre Ernte verloren haben. Der Staat Andhra Pradesh hat mit Unterstützung der Zentralregierung den Konzern Monsanto auch wegen der stark überhöhten Preise für das Saatgut verklagt.

Gentech-Lobby unbeirrt

Doch trotz der eindeutigen Hinweise auf die katastrophalen Folgen des Anbaus von GVO-Pflanzen wirbt die Agrarindustrie weiter mit der Behauptung, daß Gentechnik die Lebensbedingungen der armen Bauern verbessern würde. Auch Wissenschaftler lassen sich vor diesen Karren spannen. Der Agrarforscher Per Pinstrup-Andersen, ehemaliger Generaldirektor des International Food Policy Research Institute in Washington D. C. und bekannter Gentech-Lobbyist, gesteht zwar die Fehlschläge in Indien und China ein, forderte aber als Konsequenz die betroffenen Regierungen auf, »Maßnahmen zu ergreifen, um die aufgezeigten Fehlentwicklungen zu korrigieren, bevor die Landwirte die Bt-Baumwolle ganz aufgeben«, was »sehr bedauerlich« wäre. Statt auf die gentechnisch manipulierte Saat zu verzichten, sollten neue GVO-Varianten erforscht werden, die auch gegen die neuen Schädlinge »immun« seien, heißt es in einer anläßlich der Veröffentlichung der Studie weltweit verbreiteten Presseerklärung der Cornell-Universität, an der Pinstrup-Andersen einen Lehrstuhl innehat

Doch die bisherigen Erfahrungen zeigen eindeutig: GVO werden die landwirtschaftliche Produktion in den Entwicklungsländern nicht positiv beeinflussen, und sie werden auch nichts zur Sicherung der Ernährung beitragen. Ein solcher Fortschritt kann nur über eine neue Form der Bodenbewirtschaftung erreicht werden, die sich auf das Prinzip der Ernährungssouveränität stützt, d. h. die Konzentration auf regional angepaßte, für die Inlandsversorgung konzipierte landwirtschaftliche Produkte.



von Anuradha Mittal, Gründerin und Leiterin des Oakland Institute; aus jW
 http://www.baso-news.de/Baso/Texte/2006/news/news_det_20060901132652.html

image source:
www.zazemiata.org/gmo/

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